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"Caffee" als mulitmediales Tanztheater

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"Caffee" als mulitmediales Tanztheater

06.12.2011, 13:00 Uhr | dapd

Magali Sander Fett wirbelt als brasilianische "Kaffeebohne" durch die Stauereihalle in der Bremer Überseestadt. Sander Fett tanzt "Caffee". Das gleichnamige Stück, das Dramaturg Max Schumacher auf die Bühne bringt, soll am Mittwoch erstmals aufgeführt werden. "Bremen ist eine Kaffeestadt und deshalb ein geeigneter Standort", sagt Schumacher bei den Proben mit fünf internationalen Choreografinnen und Tänzerinnen für das multimediale Tanztheater.

Ausgehend von dem bekannten Volkslied-Kanon "C-a-f-f-e-e" hat sich Schumacher dem, wie er sagt, "Exotismus" und der Problematik dieses besonderen Stoffs angenommen. Auf dem Tanzboden sind schwarze Notenlinien und Noten in Form von dicken Kaffeebohnen angebracht, aus denen elektronische Musik kommt.

"Kaffee ist eine Projektionsfläche", erklärt der 38-jährige Dramaturg und Gründer der internationalen Künstlergruppe "post theater". Er komme aus der Fremde und stehe für das "exotische Andere". In seiner Bedeutung als Droge sei er immer wieder verboten oder als Genussmittel beworben worden. "Heute ist Kaffee in Deutschland das beliebteste Getränk", sagt Schumacher.

In achtminütigen Einlagen bewegen sich die Choreografinnen und Tänzerinnen jeweils auf ihre ganz eigene Art kritisch, humorvoll und intensiv zu den Themen Koffein, Globalisierung und Exotismus. Sander Fett, seit 2000 Ensemblemitglied des Bremer Tanztheaters, stellt in ihrer Performance beispielsweise eine Beziehung zu ihren brasilianischen Wurzeln her.

"Es geht ein bisschen um Kolonialismus, denn der Kaffee kam aus Afrika nach Brasilien und mit ihm afrikanische Sklaven", erzählt die 40-Jährige. Die Tänzerin assoziiert die Kultivierung mit dem Kulturellen. "Wir sind eine Mischung in Brasilien genau wie der Kaffee, wenn er mit Milch getrunken wird", sagt sie.

Die einzelnen Tanzszenen werden von dem in Berlin lebenden Schauspieler Alexander Schröder zusammengehalten. Seine Figur ist nach Angaben von Schumacher inspiriert von Eduard Jacob, der in seinem Sachbuch von 1934 den globalen Siegeszug des Kaffees von den Anfängen in Äthiopien um die Welt beschreibt. "Ich moderiere die Choreografien an und helfe, sie zu dechiffrieren", erklärt Schröder. Obwohl in jeder Szene die Melodie des Kanons wiederkehrt, kommt der Text nicht vor.

"Caffee" ist Teil einer Trilogie des "post theaters" über Rohstoffe. Nach Erdöl und Fisch hat Schumacher die Bohne als ein global vernetztes Welthandelsprodukt thematisiert, das nach seinen Worten immer mit einem Mehrwert verkauft wird wie etwa mit fairem Handel. "Das finde ich interessant, ich möchte, dass die Leute neugierig werden und hinterher noch einmal darüber nachdenken, wie viel in einer Tasse Kaffee steckt", betont der 38-Jährige, der die meiste Zeit im Zug zwischen Stuttgart und Berlin arbeitet.

Mit dem Stückkonzept gewann Schumachers "post theater" den von der Bremer Schwankhalle ausgelobten Bremer Autoren- und Produzentenpreis 2010. "Das Konzept behandelt ein gesellschaftlich relevantes Thema auf einer künstlerischen Ebene", sagt Andrea Rösler von der Schwankhalle. Zudem sei das Ganze auch im Kontext der Bewerbung Bremens als "Hauptstadt des fairen Handels" zu sehen.

Diesen Titel darf Bremen seit September führen. Dass die Uraufführung in der Hansestadt stattfindet, bevor das Stück im Januar weiter nach Stuttgart zieht, kommt nicht von ungefähr. "Bremen ist der mit Abstand wichtigste Importhafen für Kaffee und Sitz vieler großer Kaffeeröster", sagt Schumacher.

Nach der Probe greift der in Köln geborene Dramaturg als erster zu seiner Kaffeetasse, auch wenn deren Inhalt inzwischen kalt geworden ist. 150 Liter des stimulierenden Heißgetränks haben die Bundesbürger pro Kopf nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbands 2010 getrunken. Auch die Besucher des Tanz-Theaters müssen darauf nicht verzichten: Im Ticketpreis ist eine Kaffee-Spezialität der Bremer Traditionsrösterei Lloyd Caffee enthalten.


dapd  

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