10.02.2012, 22:21 Uhr | dapd
Regungslos nimmt Arid U. das Urteil zur Kenntnis. Zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt ihn am Freitag das Oberlandesgericht Frankfurt am Main und stellt zudem eine besondere Schwere der Schuld fest. Damit kann Arid U. nicht vorzeitig nach 15 Jahren entlassen werden. Der 22-Jährige hatte am 2. März 2011 auf dem Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschossen und zwei weitere schwer verletzt.
"Ja, wir haben es mit dem ersten vollendeten islamistisch motivierten Anschlag auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zu tun", sagt der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel gleich zu Beginn seiner Urteilsbegründung. Rund eine Stunde lang führt er die Gründe für die Strafe aus und zeichnet die Radikalisierung des Angeklagten über die Beschäftigung mit islamistisch-dschihadistischer Propaganda im Internet sowie den Tatablauf noch einmal nach.
Mit einer Pistole sowie 22 Patronen und zwei Messern machte sich der damals 21-jährige Arid U. auf den Weg zum Flughafen. Er hörte auf seinem iPod religiöse und den Märtyrertod verherrlichende Musik. Er traf auf US-Soldaten, die auf dem Weg nach Afghanistan waren und erschoss vor sowie im Bus jeweils einen Soldaten, zwei weitere wurden schwer verletzt. Bei einem fünften Militärangehörigen drückte er zwei Mal ab, ohne dass sich ein Schuss löste. Ladehemmung. Arid U. floh und wurde im Flughafen verhaftet.
In einen "tödlichen Tunnel" gelockt
Richter Sagebiel spricht in seiner Urteilsbegründung von einer heimtückischen und auf niedrigen Beweggründen beruhenden Tat, der möglichst viele US-Soldaten zum Opfer fallen sollten. Arid U. habe seine Opfer vollkommen willkürlich ausgesucht und zu Objekten seines Hasses gegen den US-Einsatz in Afghanistan gemacht. Er habe sie planmäßig in einen "tödlichen Tunnel" gebracht.
Arid U. hört den Ausführungen reglos zu, nachdem er bei Betreten des Gerichtssaals seinem Bruder im Publikum zugelächelt hatte. Er starrt auf die Tischplatte vor sich, neigt hin und wieder den Kopf zur Seite oder fasst sich an den schmalen Kinn- und Backenbart.
Wie er so dasitzt, ein eher schmächtiger junger Mann mit ordentlich gegeltem Haar in Kapuzenpulli und schwarzem Rolli, kann man sich nur schwer vorstellen, dass er die Tat begangen hat. Doch hat er sie umfänglich gestanden, auch wenn er sich nach eigener Aussage nur an einen Teil erinnert.
Verteidigung kündigt Revision an
Von einer Lücke nach der Tat, nicht einem Blackout währenddessen spricht Sagebiel. Auch verweist er auf das Ergebnis eines Gutachters, der die volle Schuldfähigkeit des Angeklagten im Prozess festgestellt hatte. Das Oberlandesgericht befindet Arid U. des zweifachen Mordes in Tateinheit mit drei versuchten Morden und zweifacher gefährlicher oder schwerer Körperverletzung für schuldig. Die Verteidigung kündigt Revision an.
Für die Angehörigen der Opfer ist das Höchstmaß der Strafe indes eine Genugtuung. Ihnen falle eine große Last von den Schultern, sagen Joe und Kelseyanne Alden, Geschwister eines getöteten Soldaten, nach der Urteilsverkündung. Es sei wichtig, dass der Attentäter hinter Gittern sei, damit er nicht noch weiteren Menschen Schaden zufügen könne, sagt Joe Alden, und seine Schwester fügt hinzu: "Er ist das personifizierte Böse."
dapd
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