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"Maskenmann"-Prozess in Stade geht zu Ende

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Prozess gegen "Maskenmann" Martin N. geht zu Ende

22.02.2012, 13:47 Uhr | dapd

Am letzten Prozesstag vor dem Landgericht Stade hatte Martin N. für eine Überraschung gesorgt. Mit teils gebrochener und tränenerstickter Stimme äußerte sich der wegen Mordes an drei Jungen und zahlreicher Missbrauchsfälle Angeklagte erstmals selbst öffentlich. Seine Taten seien kaum entschuldbar, hatte er eingeräumt. Am Montag (27. Februar, 10. 15 Uhr) werden die Richter nun das Urteil verkünden. Dass Martin N. eine lebenslange Haftstrafe erwartet, steht für Beobachter außer Zweifel. Die Frage ist, ob das Gericht die besondere Schwere der Schuld feststellt und womöglich eine Sicherungsverwahrung anordnet.

Beides würde eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung bereits nach 15 Jahren verhindern, sagte Gerichtssprecherin Petra Baars. So hatten es die Staatsanwaltschaft und die meisten der vier Nebenkläger gefordert. Denn sie gehen davon aus, dass der Angeklagte weiterhin gefährlich ist. Die Verteidiger machen dagegen geltend, dass dem Angeklagten ohne dessen Geständnis die Taten schwer nachzuweisen gewesen wären.

Mit einer schwarzen Sturmhaube auf dem Kopf war Martin N. zwischen 1992 und 2001 nachts in Schullandheime, Zeltlager und Wohnhäuser eingedrungen und hatte kleine Jungen bedroht und sexuell missbraucht. Drei seiner Opfer, den 8-jährigen Dennis R., den 13-jährigen Stefan J. und den 9-jährigen Dennis K., ermordete er. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft tötete er die wehrlosen Kinder, die er zuvor aus dem Schlaf geholt hatte, aus niederen Beweggründen, Heimtücke und zur Verdeckung anderer Straftaten. Nach dem Mord an Dennis K. aus Osterholz-Scharmbeck erkannte die Polizei einen Serienzusammenhang. Der Täter blieb unbekannt.

Erst zehn Jahre später sollte die unermüdliche Arbeit der Ermittler erfolgreich sein. Ein früheres Missbrauchsopfer aus Bremen erinnerte sich plötzlich an einen ehemaligen Betreuer einer Ferienfreizeit, der auffällig nach seiner Wohnsituation gefragt hatte. Wochen später war der "schwarze Mann" nachts in sein Kinderzimmer eingestiegen. Martin N. wurde im April 2011 in Hamburg gefasst. Der Pädagoge legte bei der Soko Dennis ein umfangreiches Geständnis ab, bestritt aber jegliche Taten nach 2001. "Er behauptete, da habe es einen Bruch in seiner Biografie gegeben", sagt Gerichtssprecherin Baars.

Vor Gericht tauchten allerdings neue Zeugen auf. Die Halbbrüder gaben an, nach 2001 von ihrem Betreuer Martin N. missbraucht worden zu sein. Zudem wurde bekannt, dass der Angeklagte bis kurz vor seiner Verhaftung in pädophilen Foren aktiv war. In seinen Beiträgen verherrlichte er auch Sexualmorde an Jungen.

Der 41-jährige ehemalige Lehramtsstudent bestreitet aber vehement, für weitere ungeklärte Todesfälle verantwortlich zu sein. In Frankreich und den Niederlanden waren 1998 und 2004 zwei Jungen auf ähnliche Weise verschwunden und ermordet aufgefunden worden wie die bekannten Opfer des Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht weiter nach.

Beweise hat sie bislang nicht. Hoffnung setzt sie auf die Auswertung der Festplatten, die in der Hamburger Wohnung von N. gefunden wurden. Doch bislang gelang es den Ermittlern nicht, die Passwörter zu entschlüsseln. Martin N. hatte in seinem Schlusswort angekündigt, diese erst nach dem Prozess zu nennen. Auch nach der Urteilsverkündung wird der Fall deshalb wohl die Öffentlichkeit beschäftigen.


dapd  

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