15.03.2011, 16:24 Uhr | dapd
Paderborn (dapd-bln). Nach 15 Jahren kommt der Papst erstmals wieder offiziell nach Berlin. Sechs Monate vor dem ersten Staatsbesuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland hat die Bischofskonferenz am Dienstag die Eckpunkte des Reiseprogramms vorgestellt. Der Papst wird am 22. September nach seiner Ankunft in Berlin offiziell durch Bundespräsident Christian Wulff im Schloss Bellevue begrüßt, wie der Berliner Diözesanadministrator Matthias Heinrich in Paderborn sagte.
Für den selben Tag ist eine Rede Benedikts vor dem Deutschen Bundestag sowie eine große Eucharistiefeier in der Bundeshauptstadt geplant. Weitere Stationen der Papstreise sind neben Berlin das Bistum Erfurt und die Erzdiözese Freiburg.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, die Stadt freue sich auf Papst Benedikt XVI. Der Besuch des Papstes sei für alle Berliner ein "wichtiges Ereignis" und werde in einem "würdigen Rahmen" stattfinden. Die Berliner und die Gäste aus aller Welt hätten insbesondere beim Gottesdienst Gelegenheit, das aus Deutschland stammende Kirchenoberhaupt in der deutschen Hauptstadt zu erleben.
Mit dem viertägigen Besuch von Papst Benedikt XVI. im Herbst will die katholische Kirche in Deutschland die Krise der vergangenen Monate hinter sich lassen. "Wir haben eine schwierige Zeit hinter uns. Nun schauen wir mutig nach vorne", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Robert Zollitsch, bei der Vorstellung des vorläufigen Reiseprogramms.
Diözesanadministrator Heinrich sagte, er freue sich, dass der Heilige Vater dem Wunsch so vieler Gläubiger nachkomme, eine Eucharistie in Berlin zu feiern. Er wisse, wie viele öffentliche Diskussionen es um den Ort gegeben habe. Die Planungen seien hier noch nicht abgeschlossen. Während seines Aufenthalts in Berlin wohnt der Papst in der Apostolischen Nuntiatur.
Heinrich sagte weiter, "es macht uns stolz, dass der Heilige Vater in einer Stadt, die nicht katholisch geprägt ist, mit den höchsten Vertretern unseres Staates zusammentreffen und vor dem Deutschen Bundestag sprechen wird". Papst Benedikt XVI. komme aber auch in eine Stadt, in der nur noch jeder Dritte einer der beiden großen Kirchen angehöre, das werde für den Besuch sicherlich eine Rolle spielen.
Nach den Worten des Diözesanadministrators hat der Papst bei seinen bisherigen Reisen stets den Glauben der Menschen gestärkt und seine Kritiker "schon häufig überrascht". Er sei überzeugt, dass ihm das auch in Berlin gelingen werde. Heinrich geht zudem davon aus, dass trotz möglicher Proteste Berlin "seinem Ruf als gastfreundliche Stadt treu bleiben wird". "Wir können unterschiedliche Meinungen ertragen, und ich bin sicher, dass sich der Papst mit seiner Botschaft Gehör verschafft."
In Berlin haben verschiedene Organisationen Proteste gegen den Besuch des Pontifex angekündigt. Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg, der die Proteste koordiniert, hatte jüngst die Sexualpolitik des Papstes als "menschenfeindlich" kritisiert.
Während des viertägigen Besuchs, der unter dem Motto "Wo Gott ist, da ist Zukunft" stehen wird, soll Benedikt außerdem noch mit Vertretern der Juden und der Muslime zusammentreffen. Auch ist eine Begegnung mit orthodoxen Christen ist geplant.
Im Erzbistum Berlin leben rund 390.000 Katholiken, mehr als ein Viertel von ihnen ist nicht-deutscher Muttersprache. Die größten Gruppen stellen Katholiken aus Polen, Kroatien und Italien. Papst Johannes Paul II. hatte Berlin 1996 einen Besuch abgestattet.
dapd
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