13.02.2012, 10:55 Uhr | dapd
Noch zwei Minuten bis zum Auftritt. Rolf Herzel ist spät dran - der Fastnachter hat an diesem Abend schon in vier anderen Hallen in Unterfranken auf der Bühne gestanden. Maidbronn, Güntersleben, Zellingen, Waldbrunn. Als letztes kommt Volkach. Er springt aus dem Auto, greift sich seinen Gitarrenkoffer und rennt in Richtung Halleneingang. "Jetzt aber Ballett", schnaubt er gehetzt. Im Foyer wartet ein ungeduldiger Tontechniker und macht weiter Druck: "Los, du musst auf die Bühne!"
Im normalen Leben ist Rolf Herzel Tierarzt, Familienvater, Hausbesitzer. An Fastnacht wird er als "Hauptmann Küppers" zur Rampensau und rast von einer Prunksitzung zu nächsten. Bei allem Klamauk geht es Herzel jedoch um mehr als nur das Scheinwerferlicht: Seine Gage spendet der Büttenredner komplett für soziale Projekte. 2011 waren das rund 13.000 Euro.
"Dieses Jahr könnte es sogar noch mehr werden", hofft er. Fast 10.000 Euro habe er bereits zusammen, und die heiße Phase der fränkischen Fastnacht steht erst noch bevor. Für 48 Veranstaltungen ist er in der Rolle als Hauptmann bis Aschermittwoch gebucht. Seine Franken-Tournee ist purer Bühnenstress. "Rein rennen, Bude rocken, wieder raus rennen, weiter rocken", beschreibt er einen für ihn typischen Fastnachtsabend.
Noch 30 Sekunden, während Herzel seine Gitarre auspackt und schnell die Saiten stimmt, steckt ihm der Tontechniker einen Funksender an den Gürtel. Im Saal wird der 47-Jährige dem Publikum als "Revolutionär in der Bütt" angekündigt. Einzugsmarsch. Hauptmann Küppers - Kampfanzug, Barett, Gitarre statt Gewehr - marschiert zu Preußens Gloria auf die Bühne.
"Die Idee stammt von meiner Schwiegermutter", erinnert sich Herzel an die Geburtsstunde der Rolle vor zehn Jahren. Wenn er dort zu Gast war, muss ihn wohl irgendetwas an seine Bundeswehrzeit erinnert haben. Jedenfalls habe er am Küchentisch immer seinen ehemaligen Vorgesetzten nachgeäfft. "In der Bütt ist der Hauptmann dann eingeschlagen wie eine Bombe", berichtet der 47-Jährige.
Inzwischen ist die Figur Kult. Bereits in der Fernsehsitzung des Bayerischen Rundfunks "Franken Helau" ist er vor zwei Jahren aufgetreten. Aber Fernsehen ist nicht so sein Ding: "Fernsehen raubt mir die Spontaneität. Da stehe ich lieber vor 200 Leuten in Rimpar." Er braucht den Kontakt zum Publikum. Den moralischen Zeigefinger erhoben, leicht gebückt, schreitet Küppers über die Bühne. In hochdeutschem Kasernenhofton schwadroniert der ansonsten breit badisch sprechende Wahl-Franke über die Reichen und Schönen.
Die Spendenaktion des Büttenredners hat einen persönlichen Hintergrund. In seiner Familie leide ein Kind an der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose, erzählt Herzel. Als er das kaputte Spielzeug und die zerfledderten Kinderbücher auf der Uni-Klinik-Station in Würzburg gesehen habe, wollte er einen Beitrag leisten. Ähnlich war es mit den anderen Projekten, die er inzwischen unterstützt. Ein Pferd für therapeutisches Reiten mit Behinderten hat der Tierarzt gekauft, in Brasilien hat er den Bau einer Schule mitfinanziert und nach Kinshasa im Kongo einen ganzen Container Schulmöbel verschiffen lassen. Wenn Herzel im Anschluss an seine Auftritte die Projekte vorstellt, wird er plötzlich ernst und legt den Clown ab.
dapd
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