07.02.2012, 13:36 Uhr | dapd
Als der NDR im Juli vergangenen Jahres nach 25 Jahren die ZDF-Quizshow "Dalli Dalli" mit Moderator Kai Pflaume wiederbelebte, bescherten die Zuschauer dem Sender tolle Quoten und der Sendung ein erfolgreiches Comeback. Im Weihnachtsprogramm liefen vier neue Folgen der einst von Hans Rosenthal erfundenen Rateshow. Er moderierte von Mai 1971 bis September 1986 153 "Dalli Dalli"-Sendungen. Die für den 15. Januar 1987 angekündigte Folge musste das ZDF absagen, weil die Ärzte dem an Magenkrebs leidenden Rosenthal den Auftritt untersagten. Den nächsten Termin am 26. Februar 1987 erlebte er nicht mehr. Hans Rosenthal starb am 10. Februar 1987 im Alter von 61 Jahren in Berlin.
Rosenthal prägte mit seiner Show 15 Jahre lang das Vorabendprogramm des ZDF. 1977 wurde er in einer Umfrage zum beliebtesten deutschen Showmaster gewählt. Bis zu 16 Millionen Zuschauer verfolgten das unterhaltsame Ratespiel mit acht prominenten Kandidaten und dem quirligen Showmaster.
Für jede Aufgabe gab Rosenthal stets das Startsignal mit dem Ausruf "Dalli Dalli". Ab der 53. Folge im September 1976 konnte das Publikum eine Leistung besonders würdigen, indem es per Knopfdruck Warnleuchten und einen Alarmton auslöste. Rosenthal sprang daraufhin in die Luft und rief: "Sie sind der Meinung, das war …", und das Publikum antwortete "Spitze". Legendär wurde dabei Rosenthals Luftsprung, der für einige Sekunden im Bild angehalten wurde.
Die von den Rateteams erspielten Punkte wurden mit Geld gleichgesetzt, und die Summe ging an unverschuldet in Not geratene Familien. Mit seiner Aktion "Dalli Dalli hilft" setzte sich Rosenthal Zeit seines Lebens für hilfebedürftige Menschen ein. Das soziale Engagement des Moderators erwuchs nicht zuletzt aus seinen eigenen schlimmen Erlebnissen.
Rosenthal erlebte als Kind einer jüdischen Familie die antisemitische Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Ab 1940 musste er Zwangsarbeit leisten. Ab 1943 tauchte er in einer Berliner Kleingartenanlage unter und überlebte den Krieg nur durch Unterstützung von drei Berlinerinnen.
Seit dem Tod von Rosenthal setze die Hans-Rosenthal-Stiftung die Arbeit fort und agiere ganz im Sinne seines Vaters, sagte sein Sohn Gert im dapd-Gespräch. Er und seine Mutter Traudl gehören zu den Mitbegründern der Stiftung, die bisher rund 2.500 unschuldig in Not geratenen Familien helfen konnte.
Am 14. April findet die 16. Hans-Rosenthal-Gala in Landau in der Pfalz statt. Schirmherr ist der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck. Während der Gala werden Spenden gesammelt und der mit 10.000 Euro dotierte Hans Rosenthal-Ehrenpreis für besonderes soziales Engagement verliehen.
Zwtl.: Familie trifft sich am Todestag
In Berlin erinnern zahlreiche Orte an den berühmten Sohn der Stadt. Der Platz vor seiner langjährigen Wirkungsstätte, dem ehemaligen RIAS-Funkhaus, heißt seit 1993 Hans-Rosenthal-Platz. Am Haus Winsstraße 63, in dem Rosenthal seine Kindheit verlebte, wurde 2000 eine Gedenktafel enthüllt. Eine Gedenktafel gibt es auch vor einer Schule am Roederplatz in Berlin-Lichtenberg. Sie erinnert daran, dass Rosenthal sich in der dort früher befindlichen Kleingartenanalge Dreieinigkeit jahrelang vor den Nazis versteckte.
Und seit dem 20. Januar trägt das Stadtbad in Berlin-Schöneberg seinen Namen. Hier lernte Rosenthal 1950 im Alter von 25 Jahren das Schwimmen. Juden waren es während der Nazizeit verboten, öffentliche Schimmbäder zu besuchen. Beim Berliner Sportverein Tennis Borussia kickt das Hans-Rosenthal-Team seit vielen Jahren für den guten Zweck. Die Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum bewahrt den Nachlass des auf dem Jüdischen Friedhof an der Heerstraße beerdigten Entertainers auf.
Die Familie von Hans Rosenthal wird sich wie jedes Jahr an seinem Todestag bei der Witwe Traudl treffen und still ihres vor 25 Jahren verstorbenen Ehemanns und Vaters gedenken.
dapd
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