04.02.2012, 13:11 Uhr | dapd
In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit 20 Frauenhäuser. Mittelfristig erwarte die Landesarbeitsgemeinschaft Frauenhäuser eine Anpassung der Strukturen an die Grenzen der Landkreise, sagte Sprecherin Marion Zeiger der Nachrichtenagentur dapd. Er werde aber nicht mit einem Mangel an Plätzen gerechnet. Insgesamt stehen 127 Plätze für Frauen und 176 für Kinder zur Verfügung. In den 1990er Jahren gab es im Land 29 Einrichtungen.
Die geschützten Wohnungen sind laut Sprecherin zu rund 70 Prozent ausgelastet. Jährlich finden dort etwa 700 Frauen zwischen zwei Tagen bis zu einem Dreivierteljahr eine Unterkunft. Hauptursache für den Einzug sei häusliche Gewalt. "Wir helfen den Betroffenen dann bei der Aufarbeitung der Probleme, bei der Suche nach einer eigenen Wohnung oder bei den Behördengängen."
Auch aus anderen Bundesländern kommen Frauen nach Sachsen-Anhalt, die vor allem Anonymität suchten. Auch brächten sich junge Frauen aus Angst vor sogenannten Ehrenmorden und Zwangsheiraten weit entfernt von ihrer Heimatstadt in Sicherheit.
Gleichstellungsministerin Angela Kolb (SPD) sagte, in den Frauenhäusern könne eine sozialpädagogische Betreuung, Begleitung traumatisierter Frauen in der akuten Gefährdungssituation anonym und unerreichbar für den Täter erfolgen. Dort gebe es Fachwissen zu allen Themenfeldern von Prävention, Intervention und zur Beratung. Das Land unterstützt die Arbeit der Träger durch jährliche finanzielle Zuwendungen in Höhe von insgesamt 1,2 Millionen Euro.
Die Diakonie Naumburg-Zeitz sieht sich jedoch nicht in der Lage, die gestiegenen Kosten für Personal und den Betrieb des Frauenhauses in Zeitz aufzubringen, sagte Geschäftsführer Siegfried Kosdon. Deshalb sei die Schließung der Einrichtung mit vier Plätzen unumgänglich. Im Burgenlandkreis sei jedoch durch das Frauenhaus in Weißenfels eine Betreuung von Frauen in Not gesichert.
Liane Kretschmer vom Salzwedler Frauenhaus kritisierte den hohen Bürokratieaufwand. Die wenigen Mitarbeiterinnen wären damit fast überfordert. Auch gesunkene Zuschüsse von Kommunen und Landkreis belasteten zunehmend. Trotz einer Reduzierung des Personals und der Kapazität sehe sie immer weniger Möglichkeiten, einen Ausgleich zu schaffen. "Wir sind an unseren Grenzen angelangt", sagte sie.
Das Frauenhaus in Wolfen lobte indes die Unterstützung von Stadt und Landkreis. So werde das Gebäude von der Kommune mietfrei zur Verfügung gestellt. Wegen der knappen Kassenlage könne jedoch keine Erzieherin für die Betreuung der Kinder eingestellt werden. Die sei dringend notwendig, sagte Leiterin Ines Chlkebowski. Das Sparpotenzial wäre ausgeschöpft, die Gehälter der Mitarbeiterinnen eingefroren.
In den kommenden Jahren stehen die Frauenhäuser vor wachsenden finanziellen Problemen. Trotz stabiler Landeszuschüsse und Unterstützung durch Kommunen sowie Landkreise ließen sich steigende Betriebs- und Personalkosten kaum auffangen. In dieser Situation werde es zunehmend schwerer, ausgebildete Erzieher für die Betreuung von Kindern einzusetzen. Das sei nach Einschätzung der Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft dringend notwendig, um mit den Mädchen und Jungen das Erlebte aufzuarbeiten.
dapd
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