30.08.2011, 18:37 Uhr | dapd
Celle (dapd-nrd). "A-A-Antifaschista" schallt es durch ein kleines Waldstück in Celle. Es kommt von einer Gruppe linker Demonstranten. Die etwa hundert Leute bewegen sich auf eine Reihe von 30 Polizisten zu, die mit Helmen und Protektoren geschützt sind. Flaschen fliegen, Böller knallen. Doch was sich am Dienstag auf dem ehemaligen Kasernengelände abspielt, ist nur eine großangelegte Übung der Bereitschaftspolizei.
Blechern ertönt noch eine letzte Warnung der Polizei. Dann kommt der Wasserwerfer zum Einsatz. Ehe die Wasserwand in sich zusammenfällt stürmen etwa 50 Beamte auf die Demonstranten los, ziehen zwei Personen aus der Gruppe der Demonstrierenden. Die beiden seien nicht einfach wahllos ergriffen worden, sagt der, stellvertretender Hundertschaftsführer, Andree Schröder. "Sie wurden vorher als Rädelsführer ausfindig gemacht und dann gezielt aus der Gruppe gezogen."
Etwa 800 Polizisten aus sieben Hundertschaften spielen in verschiedenen Szenarien einen Tag lang Festnahme- und Beweissicherungstechniken durch. "Auch Standards müssen immer wieder geübt werden", sagt der stellvertretende niedersächsische Polizeipräsident Bernd Wiesendorf. 130 Polizisten schlüpfen dazu in die Rolle von Demonstranten und agieren als "Störer". "Damit kommen wir relativ nah an echte Situationen heran", sagt ein Polizeisprecher. "Vorteilhaft ist, dass sich die Beamten nicht immer unbedingt untereinander kennen."
Die Polizisten wüssten aus ihrer eigenen Erfahrung ziemlich gut, wie sich Störenfriede verhielten, ergänzt Wiesendorf. Und Jürgen Schubert, Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder im Bundesinnenministerium, merkt an: "Bei den hier simulierten Situationen handelt es sich um Szenarien, die immer wieder vorkommen."
Natürlich gingen bei solchen Übungen auch Dinge schief, sagt Schubert. Zur kritischen Bewertung sind Beobachter bei der Übung eingesetzt. "Später muss dann halt nachgearbeitet werden", sagt Schubert.
In allen Bundesländern stehe man bei Demonstrationen "immer wieder vor komplexen Situationen", sagt Niedersachsens Polizeipräsident Christian Grahl. Es gehe darum, das Demonstrationsrecht jener zu gewährleisten, die friedlich demonstrieren wollten.
Leider habe man in der jüngsten Vergangenheit ein erhöhtes Gewaltpotenzial bei Kundgebungen, Fußballspielen, aber auch bei Ereignissen wie den Castor-Transporten im Wendland ausgemacht, sagt Wiesendorf. "Derartige Einsätze mit Gewaltpotenzial wünschen wir uns natürlich nicht", sagt er. "Aber wenn, dann sind wir gerüstet."
dapd
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