21.04.2011, 09:01 Uhr | dapd
Thannhausen (dapd-bay). Für Inge Rothermel geht es in diesen Tagen nur um eines: "Die Eier müssen leuchten, sie müssen einen anlachen!" Die junge blonde Frau ist Juniorchefin bei "Beham" im schwäbischen Thannhausen. Die Ostereier-Färberei im Landkreis Günzburg ist nach Angaben der Eigentümer der älteste ihrer Art in Bayern.
Für die 35 Saisonkräfte in der Eierfärberei, die alljährlich nur von November bis Ostern in Betrieb ist, bleibt in diesen Tagen kaum Zeit zum Luftholen. Die Förderbänder, die die grell-bunten Eier transportieren, müssen ebenso ständig überwacht werden, wie die Farbwalzen und die Garküche. Diese selbst entwickelte Anlage ist das Kernstück des Betriebs: So schonend wie möglich werden die rohen Eier "aufgedampft". Die Eier stammen überwiegend aus der Region. Die Kunst beim Garen im Wasserdampf besteht darin, sie hart, aber keinesfalls zu hart werden zu lassen.
Der Gar-Apparat steht an der Stirnseite der Färberei. Die weißen und braunen Eier kullern heraus, wenn sie das "Dampfbad" hinter sich haben. Am schönsten sind sie anzusehen, wenn sie die Gummiwalzen verlassen, mit denen die Farbe aufgetragen wird. "Eine Trendfarbe für Ostereier gibt es 2011 nicht", sagt Rothermel. "Die Mädchen mögen natürlich Rosa und Pink besonders gerne, die Jungs lieber blaue Ostereier. Und man merkt, dass junge Menschen lieber grelle Farben mögen und etwas ältere Herrschaften eher die etwas gedämpfteren Töne bevorzugen."
"Beham" ist ein Kürzel und steht für "Bunte Eier haben andere Maßstäbe". Inge Rothermel berichtet von der langen Familientradition, die ihr Großvater vor rund 60 Jahren in Niederbayern begründet hat und hat dabei ständig die Produktion im Auge. Auch wenn es hier um Ostereier geht, so betont Rothermel, "sind wir hier in einem Industriebetrieb".
Greenpeace Österreich hat dieser Tage einen großen Ostereiertest veranstaltet. Zwar kamen die Tester zu einem "überwiegend erfreulichen Ergebnis". Vor einigen Lieferanten jedoch warnte die Umweltorganisation, weil die Eier aus Betrieben mit Käfighaltung kämen, in denen die Tiere genmanipuliertes Futter erhielten.
Vor solchen Problemen fühlt man sich bei "Beham" gefeit. "Unsere Lieferanten haben uns zugesichert, dass sie kein Genfutter verwenden", sagt Rothermel. "Wir geben uns seit drei Generationen größte Mühe, so perfekte Ostereier wie irgend möglich herzustellen, mit unserer ganz eigenen Garmethode. Unsere Kunden wissen das zu schätzen."
Und tatsächlich: Ununterbrochen kommt Kundschaft in den Betrieb. Der Werksverkauf ist neben der Belieferung von Eierhändlern aus dem weiten Umkreis ein wichtiges Standbein des Betriebs. Vereine kaufen hier genauso ein wie Sozialeinrichtungen und kleine Händler, die auf Wochenmärkte fahren. An Discounter wird von "Beham" nicht geliefert.
Die Jahresproduktion des Unternehmens liegt, je nachdem wie früh oder spät Ostern fällt, bei sechs bis acht Millionen gefärbten Eiern. Nach Auskunft des Landesverbandes des Bayerischen Geflügelzüchterverbandes gibt es in Bayern etwa zehn bis fünfzehn Eierfärbebetriebe vergleichbarer Größe.
Die Rothermels leben nicht nur von den gefärbten Ostereiern allein. In München betreiben sie ein Fitness-Unternehmen und verdienen in der "eierfreien" Zeit ihr Geld mit Trainingsstunden für Leistungssportler oder gestresste Manager. Die Fabrik in Thannhausen nämlich steht ab kommender Woche wieder still. "Wir sind ein Saisonbetrieb und gehen dann, wenn alles geputzt ist, in unsere Sportschule", sagt Inge Rothermel.
dapd
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