11.11.2010, 15:32 Uhr | DAPD
Bremen (dapd-nrd). BWL, Psychologie, Sozialwissenschaften oder Pädagogik - Mareike Meyer hatte völlig unterschiedliche Interessen, als sie sich nach dem Abitur für ein Studienfach entscheiden sollte. Dann erfuhr sie von dem bundesweit einzigartigen Studiengang Angewandte Freizeitwissenschaft an der Hochschule Bremen, der alle ihre Interessen verbindet. Ein Glücksfall dachte sie, bewarb sich und ergatterte einen der 60 Studienplätze.
Innerhalb ihres Studiums macht Mareike Meyer zurzeit ein Praxissemester im Bremer Ratskeller. Dort kümmert sich die 22-Jährige um Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und die Konzeption von Gästeführungen im Weinkeller. Dinge, die sie während ihrer ersten beiden Studienjahre in praktischen Seminaren geübt hat. "Man lernt in unserem Studiengang auch, sich zu präsentieren, sich auf neue Dinge einzulassen, über seinen Schatten zu springen", sagt sie. Wer keinen Mut hat, vor einer Gruppe zu stehen, sei in diesem Studiengang falsch.
Wenn sie auf die Frage antworte, was sie studiere, schmunzelten die meisten Leute. "Lernt man da, in Hängematten zu liegen?" sei einer der üblichen Sprüche, die sie sich anhören müsse. Manchmal sei es ihr lästig, immer wieder erklären zu müssen, was es bedeutet, Freizeitwissenschaft zu studieren. Schließlich sei das Studieren für sie alles andere als Erholung. Es sei oft anstrengend, sich mit so vielen verschiedenen Dingen gleichzeitig zu beschäftigen. Neben Fächern wie Kulturmanagement, Theaterpädagogik, Fremdsprachen, Soziologie, Psychologie und Ökologie stehen auf ihrem Stundenplan auch Recht, BWL und Tourismuspolitik.
Auch die Leiterin des Studiengangs, Renate Freericks, ärgert es, dass sie das Fach immer wieder rechtfertigen muss. "In Deutschland gibt es auf bildungspolitischer Ebene Zweifel, freizeitorientierte Studiengänge zu etablieren. Dabei ist die Freizeitwirtschaft mit über sechs Millionen Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in Deutschland", betont die Professorin. "Unsere Lebenszeit ist immer mehr von Freizeit geprägt - der Großteil unseres Lebens ist nicht Arbeit, sondern Freizeit, die auch geplant werden muss", sagt Freericks.
In anderen Ländern sei die Freizeitwissenschaft sehr viel mehr verbreitet. Deshalb hat der Studiengang auch keine Probleme, seinen Studierenden Plätze an Partnerhochschulen weltweit anzubieten. Mareike Meyer wird das nächste Semester in Neuseeland verbringen, während ihre Kommilitonen nach Finnland, Nicaragua, Thailand oder Mauritius gehen. Ein Auslandssemester ist für alle Studierenden Pflicht.
Den Internationalen Studiengang Angewandte Freizeitwissenschaft gibt es in Bremen seit 1998. Erst stand am Ende das Diplom, seit einigen Jahren wird der Bachelor- und Masterabschluss vergeben. Nun organisiert der Studiengang zusammen mit dem Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit der Hochschule den 1. Bremer Freizeitkongress, der am Freitag beginnt. Zwei Tage lang diskutieren Wissenschaftler, Studierende, Firmen, Verbände und andere Interessierte aus dem Bereich Freizeit die Zukunft von Freizeitplanung, -bildung und -management. Der Kongress soll künftig alle zwei Jahre stattfinden.
Probleme, einen passenden Arbeitsplatz zu finden, hätten die Alumnis selten, erzählt Freericks. "Zu gut 80 Prozent finden unsere Absolventen innerhalb von drei Monaten nach ihrem Abschluss eine Arbeit." Die Arbeitsfelder von Freizeitwissenschaftlern sind genauso breit gefächert wie die Studieninhalte: Sie arbeiten in den Bereichen Event- und Veranstaltungsmanagement, Tourismus, Stadtmarketing, in der Erlebnispädagogik, Weiterbildung und immer häufiger in sogenannten Erlebniswelten. "Das Bremerhavener Klima- und das Auswandererhaus sind beliebte Arbeitgeber. Und einer unserer Absolventen baut gerade ein neues Science-Museum mit auf."
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