22.02.2012, 09:57 Uhr | dapd
Die frühere baden-württembergische Landesministerin Annemarie Griesinger ist tot. Die 87-Jährige starb am Montag in einem Krankenhaus auf der Schwäbischen Alb, wie die CDU-Landtagsfraktion am Dienstag mitteilte. CDU-Landeschef Thomas Strobl und Fraktionschef Peter Hauk erklärten, die bis zum Schluss aktive Parteifreundin hinterlasse "eine große Lücke". Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) würdigte sie als "über alle Parteigrenzen hinweg geschätzte Persönlichkeit und eine Sozialpolitikerin mit Leib und Seele".
Die in Markgröningen verwurzelte Griesinger kam 1964 in den Bundestag. 1969 wurde sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende ihrer Partei. 1972 holte sie Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU) als Ministerin für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung ins Landeskabinett, 1980 ging sie als baden-württembergische Ministerin für Bundesangelegenheiten nach Bonn. Von 1976 bis 1984 war sie Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Vaihingen.
1984 erklärte die passionierte Jägerin, die neben dem Bundesverdienstkreuz als erste Landtagsabgeordnete das Goldene Sportabzeichen erwarb, ihren Rückzug aus der Politik. Sie blieb jedoch weiter sozial aktiv und engagierte sich im CDU-Kreisverband Ludwigsburg und Ortsverband Markgröningen. Bis zum Schluss lebte sie in ihrem Elternhaus in Markgröningen mit ihrem Mann, dem Bosch-Ausbildungsdirektor und Lehrbeauftragten an der Universität Stuttgart, Heinz Griesinger.
Sozialministerin Altpeter erinnerte an Griesingers Durchsetzungkraft bei ihrem Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Sozialstationen und der Einführung des Mutter-Kind-Programms für Alleinerziehende. Aber auch ihre Menschlichkeit und Herzensgüte seien sprichwörtlich gewesen.
CDU-Landeschef Strobl betonte: "Sie war für uns eine Botschafterin weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus und mit ihrer fröhlichen, zupackenden Zuversicht eine allseits geachtete, hoch geschätzte Persönlichkeit."
Landtagspräsident Guido Wolf bezeichnete die erste Frau in der Landesregierung als die "Sozialministerin schlechthin". Sie habe Baden-Württemberg ein "soziales, familienfreundliches Gesicht" gegeben.
Die Diakonie regierte mit "tiefer Betroffenheit" auf die Nachricht. Griesinger sei es wesentlich zu verdanken, dass ein flächendeckendes Netz einer ambulanten Kranken- und Altersversorgung im Land entstanden ist. Mit Fug und Recht könne sie als die "Mutter der Sozialstationen in Baden-Württemberg" bezeichnet werden, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, Dieter Kaufmann.
dapd
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