05.01.2011, 09:33 Uhr | DAPD
Frankfurt/Main (dapd-hes). Die Anschläge auf Kopten in Ägypten haben in Hessen bei Religionsgemeinschaften und Politikern Besorgnis und Empörung ausgelöst. Der evangelische Kirchenpräsident Volker Jung mahnte am Dienstag die Fortsetzung des offenen interreligiösen Dialogs in Deutschland an. Die muslimische Hazrat-Fatima-Gemeinde in Frankfurt verurteilte den "gotteslästerlichen und barbarischen Anschlag" in Ägypten scharf.
Innenminister Boris Rhein (CDU) hingegen sagte, eine Verurteilung derartiger Anschläge reiche nicht aus. Nötig seien statt dessen klare Bekenntnisse für das friedliche Zusammenleben. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach forderte Solidarität mit verfolgten Christen weltweit.
Die koptische Gemeinde St. Markus in Frankfurt hält trotz der aktuellen Bedrohungslage an ihrem Weihnachtsgottesdienst fest. "Wir bekommen von der Polizei Objekt- und Personenschutz", sagte Diakon Michele Riad. "Möglicherweise werden wir aber das gesellige Beisammensein nach der Messe ausfallen lassen oder zeitlich begrenzen", fügte er hinzu.
Die Gewalttaten gegen Christen dürften nicht dazu führen, dass die Integration dialogbereiter Muslime hierzulande Schaden nehme, sagte Jung. Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) verwies darauf, dass die Kirchen in Ägypten und im Irak, wo es ebenfalls Anschläge auf Christen gegeben hatte, auf eine fast 2000-jährige Geschichte zurückblickten. Sie seien "die Wurzeln vieler christlicher Konfessionsfamilien" und hätten lange friedlich mit Muslimen zusammengelebt. "Dieses Zusammenleben ist nun in großer Gefahr", warnte Jung.
Die Hazrat-Fatima-Moscheegemeinde sprach der koptischen Gemeinde St. Markus in Frankfurt "ihr aufrichtiges Beileid wegen des feigen und bestialischen Attentates" im ägyptischen Alexandria aus. Generalsekretär Ünal Kaymakci wies darauf hin, dass auch die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen als Dachverband seiner Gemeinde den Terroranschlag "auf das Schärfste" verurteile.
Die Berufung von Terroristen auf den Islam sei eine Beleidigung der islamischen Religion und nicht mit der Friedensbotschaft Gottes zu vereinbaren. Auch in Trauer und Wut dürfe man sich in der aktuellen Situation nicht dazu hinreißen lassen, "Bevölkerungsgruppen entlang ihrer Religionszugehörigkeit zu polarisieren", fügte der Generalsekretär hinzu. Seine Gemeinde stelle sich gegen den Versuch, die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen zu verschlechtern.
Innenminister Rhein ist eine Verurteilung von Anschlägen "zu wenig". Er erwarte von den muslimischen Organisationen in Hessen und Deutschland, dass Christen mit "konkretem und dauerhaftem Engagement und nicht nur mit Worten vor Diskriminierung und religiöser Intoleranz geschützt" würden, sagte der CDU-Politiker. Muslimische Autoritäten müssten eindeutig Stellung beziehen gegen jede Form von Gewalt im Namen ihrer Religion gegen Christen.
Steinbach, die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist, erklärte, vor allem in muslimisch geprägten Ländern seien Christen zunehmend nicht nur massiver Diskriminierung ausgesetzt, sondern müssten auch um ihr Leben fürchten. "In den westlichen Ländern wurde diese bedrohlicher werdende Lage für Christen in weitem Maße ignoriert oder bagatellisiert", kritisierte die Abgeordnete und Präsidentin des Bundes der Vertriebenen.
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