27.06.2011, 10:37 Uhr | dapd
Hannover (dapd). Die gefährlichen EHEC-Erreger werden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Hannover mittlerweile vor allem von Mensch zu Mensch übertragen. Die noch gemeldeten Neuerkrankungen gingen meist auf Sekundärinfektionen durch Haushaltangehörige zurück, sagte am Freitag ein Ministeriumssprecher. Es gebe aber keine neue EHEC-Welle. Die Zahl in Niedersachsen seit Mai gemeldeten EHEC-Erkrankungen oder -Verdachtsfälle erhöhte sich von Donnerstag auf Freitag um 13 auf 780. Die Zahl der Patienten mit dem Hämolytisch-Urämischen Syndrom wuchs um einen auf 114.
Auch der Präsident des Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, erklärte die weiteren Neuerkrankungen mit "Mensch-zu-Mensch-Übertragungen". Im Zuge der EHEC-Welle seien bundesweit weit über 3.000 Menschen erkrankt. "Bei so vielen Erkrankten gibt es zwangsläufig immer mal Übertragungen von Mensch zu Mensch", sagte Pulz auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd. "Dass ist die wahrscheinlichste Erklärung dafür, dass die Neuerkrankungen nach der Beseitigung der Quelle nicht schlagartig abbrechen." Gemessen an den Neuerkrankungen Ende Mai habe man derzeit aber keine hohen Infektionszahlen.
Neuerkrankungen trotz Beseitigung der EHEC-Quelle
Pulz betonte, dass die EHEC-Quelle erkannt sei und nach der Sperrung des Sprossenherstellers im Landkreis Uelzen nicht mehr bestehe. Vor allem im familiären Kontext komme es trotz Aufrufen zu Hygiene zu Mensch-zu-Mensch-Übertragungen von EHEC. Zum Teil würden aber auch noch gebliebene Infektionen nachgemeldet. Dramatisch sei die Zahl der Mensch-zu-Mensch-Übertragungen nicht.
Der Präsident des Landesgesundheitsamtes wies auch auf "eine Dunkelziffer von Menschen hin, die EHEC haben, ohne es zu wissen". Jedermann müsse daher die normale Hygiene ernst nehmen und sich vor allem nach dem Toilettengang die Hände waschen. "Dies ist ein starker Schutz gegen die Weitergabe der Keime", sagte er.
Pulz rechnet in den nächsten Wochen mit einem langsamen weiteren Abklingen der EHEC-Welle. "Je mehr Patienten gesunden und keine Keime mehr ausscheiden, umso mehr schleicht sich das aus", sagte er. "Eine geringe Zahl von Neuinfektionen wird uns noch eine gewisse Zeit begleiten." Der nach der Entdeckung der EHEC-Quelle erwartete schlagartige Abbruch der Erkrankungen sei leider nicht eingetreten.
Bundesratsausschuss für schnellere Meldungen
Auf Antrag Niedersachsens sprach sich der Gesundheitsausschuss des Bundesrates unterdessen dafür aus, die gesetzliche Frist für die Meldung gefährlicher Erkrankungen auf einen Tag zu verkürzen. Der Bund müsse die Regelungen für die Meldungen an Landes- und Bundesbehörde überprüfen, sagte Gesundheitsministerin Aygül Özkan. "Tägliche Meldungen auf elektronischen Wege müssen der Regelfall werden", verlangte sie. Dem niedersächsischen Antrag stimmten nach Angaben ihres Ministeriums alle Länder bis auf Hamburg zu.
dapd
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