22.02.2012, 16:49 Uhr | dapd
Der vor dem Oberlandesgericht Schleswig wegen Propaganda für Terrororganisationen angeklagte Islamist Harry M. will ein vollumfängliches Geständnis ablegen. Das sagte sein Anwalt der dapd am Rande des ersten Verhandlungstages am Mittwoch.
Der in Pinneberg geborene M. räumte ein, auf seiner Internetseite "Islamic-Hacker-Union" im vergangen Jahr Texte und Videos eingestellt zu haben, in denen der bewaffnete Heilige Krieg verherrlicht wurde. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft versuchte er mit elf der Videos "wissentlich und willentlich" Unterstützer und Mitglieder für die Terrorvereinigungen Islamische Bewegung Usbekistan und Islamischer Staat Irak zu rekrutieren.
Aus seiner dschihadistischen Haltung machte der Islamist auch im Gerichtssaal keinen Hehl. Das tödliche Attentat vom April 2011 am Frankfurter Flughafen, wegen dessen der 21-jährige Arid U. erst kürzlich zu einer lebenslangen Haft verurteilt wurde, bezeichnete Harry M. als legitim. Bei der Frage, ob er nach Abschluss des Verfahrens und einer möglichen Haftstrafe eventuell in Afghanistan im bewaffneten Dschihad gegen westliche Truppen kämpfen wolle, lächelte er und sagte, er wolle dazu keine Angaben machen.
Zu Beginn der Verhandlung schilderte Harry M. seinen bisherigen Lebensweg. Sein Vater habe die Familie verlassen, als er zwei Jahre alt war. Seine Mutter habe ihn mehrfach von zu Hause rausgeschmissen. Die Schule verließ er nach der neunten Klasse ohne Abschluss, mit den Lehrern habe es immer wieder Probleme gegeben. Er habe als Jugendlicher viel Alkohol getrunken und auch Marihuana, Ecstasy und Kokain konsumiert.
Zum Islam konvertierte Harry M. laut Aussage im März 2009. Ein Schwager - offenbar stand dieser der fundamentalistischen Lesart des Salafismus nahe - habe ihm die Religion näher gebracht. Mit ihm habe er auch mehrfach die als Radikalentreff bekannt gewordene Hamburger Taiba-Moschee besucht.
Später lernte Harry M., der vor Gericht mit dem Ansatz eines Vollbartes und islamischer Kleidung erschien, laut Aussage zunächst den wohl bekanntesten salafistischen Prediger Deutschlands, den rheinländischen Konvertiten Pierre Vogel, kennen. Später verkehrte er auch mit dem Kölner Prediger Ibrahim Abou-Nagie von der Gruppierung Die wahre Religion. Dieser verherrlicht den Märtyrertod und hetzt gegen Dialog und Integration.
Das Gericht hat zunächst fünf weitere Verhandlungstage angesetzt. Die Höchststrafe für die Harry M. zur Last gelegte Unterstützung und Werbung für ausländische terroristische Vereinigungen beträgt fünf Jahre. Ein Sachverständiger wird über die Reife des 20-Jährigen befinden. Denkbar ist, dass das Gericht den Heranwachsenden nach Jugendstrafe verurteilt.
dapd
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

6 Fl. 2010er Condesa Eylo Verdejo + Karaffe für nur 39,- € statt 72,30 €. von Hawesko
Endlos ins deutsche Festnetz telefonieren. Volle Kostenkontrolle. von congstar.de
Ohne Handumdrehen schneller fertig: 18-tlg. Set statt 59,99 € jetzt für nur noch 39,99 €. von neckermann