04.01.2012, 09:09 Uhr | dapd
Die Lage auf dem Thüringer Arbeitsmarkt ist im vergangenen Jahr so entspannt wie seit Jahren nicht mehr gewesen. Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mitteilte, wurde die niedrigste Arbeitslosenquote seit 1991 registriert. Für Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) bietet die Arbeitsmarktbilanz 2011 sowohl Licht als auch Schatten. Der Arbeitsmarkt sei weiter strukturell gespalten.
Im Jahresverlauf waren den Angaben zufolge durchschnittlich 104.200 Menschen arbeitslos. Im Vergleich zu 2010 sei dies ein Rückgang um 12.900. Einen Dämpfer erhielt die positive Entwicklung indes im Dezember. Saisonal bedingt zog die Zahl der Erwerbslosen zum Jahresende aber wieder an. Laut Agentur waren im Dezember 96.100 Menschen offiziell arbeitslos gemeldet und damit 4.400 mehr als im Vormonat. Auf Jahressicht sank die Zahl um 9.500. Die Arbeitslosenquote stieg im Dezember auf Monatssicht um 0,4 Punkte auf 8,2 Prozent.
Neben saisonalen Effekten verwies der Chef der Regionaldirektion, Kay Senius, auf die Anpassung der Arbeitsmarktinstrumente als Grund für den Anstieg. "Allein die Arbeitsgelegenheiten sind im Vergleich zum Vorjahr um über die Hälfte reduziert worden", sagte er. Dass die Arbeitslosigkeit dennoch geringer gestiegen sei, zeige die positive Entwicklung des Arbeitsmarkts.
Wie die Agentur weiter mitteilte, meldeten die privaten und öffentlichen Arbeitgeber im Dezember 5.000 offene Stellen, 1.200 weniger als im Vormonat. Innerhalb der ersten zehn Monate stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Freistaat um fast 33.000 auf 765.300.
Wirtschaftsminister Machnig sagte, dass der Freistaat hinsichtlich der Arbeitslosenquote Anschluss an das Niveau der alten Länder gefunden habe. Doch vor allem Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte profitieren bisher weiter zu wenig vom Aufschwung. Diese Entwicklung kritisierte auch Senius. Im Jahresschnitt sank die Zahl der Arbeitslosen über 50 Jahren nur um drei Prozent auf 39.700. Insgesamt ging die Erwerbslosigkeit hingegen um elf Prozent zurück. Dadurch stieg im Umkehrschluss der Anteil der älteren Generation an der Gesamtarbeitslosigkeit auf Jahressicht von 35 auf über 39 Prozent.
CDU-Arbeitsmarktexpertin Elke Holzapfel mahnte an, den Älteren und Langzeitarbeitslosen mehr Chancen zu geben. "Unternehmen, die heute und morgen ihren Fachkräftebedarf sichern wollen, müssen auch die Gruppen in den Blick nehmen, die sie bisher nicht im Blick hatten und leistungsgerechte Löhne zahlen". Dabei gebe es "weder einen Grund, die Aufstockung von Löhnen durch Hartz IV, noch die Zeitarbeit grundsätzlich in Verruf zu bringen". Beides eröffne jenen Chancen am Arbeitsmarkt, die sonst gar keine hätten.
Mit Blick auf das laufende Jahr rechnet Machnig damit, dass sich der Rückgang der Erwerbslosigkeit sowie der Anstieg der Beschäftigung fortsetzen werden. Allerdings könne Thüringen nicht darauf bauen, dass die Konjunktur die Beschäftigungsprobleme schon irgendwie lösen werde. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hatte bereits Anfang Dezember in Aussicht gestellt, dass die Zahl der Erwerbslosen im Jahresschnitt auf unter 100.000 sinken könnte.
dapd
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