24.02.2012, 09:02 Uhr | dapd
Das Fernweh ließ August Macke keine Ruhe. Bis zu seinem frühen Tod reiste der Maler in die Niederlande, nach Belgien, Frankreich und Italien. Die letzte Fahrt - die Tunisreise im Jahr 1914 - ist seine bekannteste. Das August-Macke-Haus in Bonn zeichnet die beeindruckende Reiseleidenschaft mit ihren Erlebnissen, Begegnungen und bedeutenden Werken in einer Jubiläumsschau nach.
Rund 75 Aquarelle, Zeichnungen, Gemälde und Dokumente beleuchten ab Freitag (24. Februar bis 28. Mai) erstmals Mackes stilprägende Phase zwischen 1904 und 1914. "Die Reisen haben einen sehr wichtigen Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung genommen", sagt die Direktorin des August-Macke-Hauses, Klara Drenker-Nagels.
Auf seinen Reisen lernte Macke (1887-1914) andere Künstler kennen, besuchte Ausstellungen, schaute sich in Ateliers um und ließ sich inspirieren. Es waren vor allem die Landschaften und Menschen, die immer wieder als Motiv herhalten mussten. Bei Rapallo malte er das aufbrausende Meer hinter einem einsamen Baum, in Paris bildete er feine Damen im Straßencafé ab. In einer anderen Zeichnung ist sein Begleiter Franz Marc zu sehen, der ein Nickerchen machte. Auch ein Entwurf seines legendären "Seiltänzers" zählt zur Sammlung.
Ein weiteres Gemälde erinnert an eine nächtliche Gondelfahrt in Venedig - Licht schimmert auf dem Wasser, von den Menschen sind nur Umrisse zu erkennen. Vor allem Mackes typische Farbgemälde fallen in den Blick. Auf seiner Tunesienreise porträtierte er zwei Märchenerzähler, die in prachtvollen Gewändern im Schneidersitz hocken und Wasserpfeife rauchen. Orientalische Motive bildeten einen Schwerpunkt in Mackes Werken.
So fremd und exotisch die Welt im Orient auch war, ungewöhnlich waren Reisen Anfang des 20. Jahrhunderts nicht. "Macke hatte zwar furchtbare Angst vor Bazillen", sagt Kuratorin Beate Marks-Hanßen. "Dass die Reisen aber gefährlich waren, kann man nicht sagen." Macke hatte Glück: Selbst konnte er für die Reisen nicht aufkommen. Die Rechnungen zahlten für ihn Freunde und Mäzene, die Mackes Talent schon früh erkannten.
Für Macke hatten die Ausflüge eine Wirkung wie für andere Chips und Schokolade - einmal angefangen, kann man nicht mehr damit aufhören. Denn Macke reiste im Akkord: Seit seinem ersten Trip verließ der rastlose Künstler jedes Jahr mindestens einmal die Heimat, häufig aber mehrmals und für mehrere Wochen.
Gefesselt von den Erfahrungen schrieb er Briefe und Postkarten an die Daheimgebliebenen, darunter auch an seine Frau Elisabeth. Oft fügte er eine persönliche Note hinzu, malte oder zeichnete eine Strandszene in Belgien oder die Burg Hammerstein neben seine Grußworte. Auf einer Postkarte speit der Vesuv graue Asche, im Vordergrund sticht ein Hang aus grünen Büschen hervor.
Wer hätte nicht gerne so eine statt einer gängigen 0815-Postkarte in seinem Briefkasten? Tatsächlich steigert die Ausstellung die Sehnsucht nach dem nächsten Urlaub. Passenderweise gehören zur Schau "August Macke unterwegs - Die Reisen des Künstlers" auch Reisebücher und Karten. Sein Freund Walter Gerhardt hat über die Italienreise einen Bericht verfasst.
In den Ausstellungsräumen schließt sich der Kreis. In dem Haus lebte Macke während seiner wichtigsten Schaffenszeit, plante von hier aus viele seiner Touren. Seine allerletzte Reise führte ihn in den Krieg - und brachte den Tod. Macke, der vor 125 Jahren geboren wurde, starb am 26. September 1914 im Alter von nur 27 Jahren in der französischen Champagne.
(Ausstellung: http://www.august-macke-haus.de )
dapd
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