02.09.2011, 17:28 Uhr | dapd
Jahrelang schlummerten die Raritäten in Mappen und Regalen in Eckhardt Müllers Wohnung. Über vier Jahrzehnte hat der 55-Jährige im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten auf Kunstmessen und Auktionen zusammengetragen, was er von Geras berühmtestem Sohn und Künstler Otto Dix ergattern konnte. "Ich war selbst überrascht, wie viel da tatsächlich zusammen gekommen ist", sagt Müller, der zugleich dem Kulturbund Gera vorsteht. Anlässlich des 120. Geburtsjahres von Otto Dix wird er nun erstmals sein privates Archiv für die Öffentlichkeit lüften.
Ab Dienstag (6. September) zeigt Müller in den Räumen des Geraer Kulturbundes seltene Kataloge, Sonderdrucke, philatelistische Extraausgaben und Fotos mit hohem dokumentarischen Wert. Manche Stücke - wie etwa der erste Ausstellungskatalog von 1926 oder die Briefe an Dix' Mäzen Justin Oberzimmer - genießen absoluten Seltenheitswert.
Großen Raum nehmen zudem Dinge ein, die heute unter die Bezeichnung Merchandising fallen könnten. So zeigt die Schau Werbeartikel mit Dix-Motiven, wie etwa eine Serie von Kunstschmuck mit dem Gemälde "Martha", oder einen Keramikteller mit dem Motiv "Katze" im Blaudruckverfahren, der verdienten Arbeitern einer ortsansässigen Stärkefabrik für hervorragende Leistungen verliehen worden war. "Es werden ganz bewusst keine Originale von Dix gezeigt. Die Schau soll die Kunst neben der Kunst von Dix zeigen", sagt Müller.
Die Schau ist zugleich Auftakt einer ganzen Ausstellungsreihe in den Räumen des Kulturbundes in der Greizer Straße anlässlich des 120. Geburtstages von Dix. So folgt im November eine Präsentation grafischer Arbeiten, die den Schwerpunkt im späten Lebenswerk des Künstlers zeigen. "Diese Ausstellung umfasst etwa 45 Originalgrafiken, darunter alle 33 Lithographien aus dem Matthäus-Evangelium, die Dix 1960 zu dem Text von Luther gestaltet hat", sagt Müller. In der ersten Jahreshälfte 2012 schließen sich eine Schau von Plakaten sowie eine Ausstellung mit Werken Geraer Künstler an, die als Zeitgenossen Dix' lediglich in dessen Schatten wirkten.
Höhepunkt der von der Stadt Gera beigesteuerten Veranstaltungen wird eine Retrospektive mit verschollenen Meisterwerken im Dezember sein. Video-Reproduktionen von historischen Aufnahmen sollen verschwundene oder zerstörte Gemälde und Zeichnungen wieder aufleben lassen. Die Herstellung läuft derzeit noch.
Trotz allgegenwärtiger Finanzprobleme und klaffender Haushaltslöcher bei der Stadt haben die Kulturtreuen in der thüringischen Geburtsstadt des Künstlers ein beachtliches Programm auf die Beine gestellt. Das ambitionierteste Vorhaben, der Umbau der früheren Landeszentralbank zu einem Kunsthaus mit einer dauerhaften Dix-Ausstellung bis zum 2. Dezember, scheiterte indes. So sollte das futuristische Gebäude des britischen Architekten David Chipperfield auf dem ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau anlässlich des 120. Geburtstags von Dix als neues Domizil eingeweiht werden.
Das Portfolio der Ausstellung, rund 400 Werke des Künstlers aus dem Bestand der Stadt Gera und Dauerleihgaben der Otto-Dix-Stiftung im schweizerischen Bevaix, steht seit langem fest. Allein der 8,5 Millionen Euro teure Umbau des Gebäudes zu einem kunstkompatiblen Bau bereitet der Stadt Probleme. "Die Abstimmungen zur Finanzierung mit dem Freistaat Thüringen sind noch nicht abgeschlossen", kann Oberbürgermeister Norbert Vornehm (SPD) nur feststellen. Gespräche liefen, ein Termin für den Umbau, insbesondere des großen Saales als zentralen Präsentationsort, sei aber nicht absehbar.
dapd
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