03.11.2011, 15:59 Uhr | dapd
Es ist schwer zu sagen, welches der über 500 Exponate in der Mannheimer Ausstellung "Ferne Gefährten - 150 Jahre deutsch-japanische Beziehungen" am besten das Verhältnis zwischen beiden Ländern symbolisiert. Der wuchtige Mercedes-Benz, Typ 770, den der japanische Kaiser Hirohito als Staatskarosse in den 1930er Jahren aus Deutschland erhielt, könnte es sein.
Ebenso geben die originalen Aufzeichnungen des Philipp Franz von Siebold, der in Deutschland als Wegbereiter der Japanologie gilt, Aufschluss über das deutsch-japanische Verhältnis. Womöglich ist aber das schlicht gehaltene Dokument über den "Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag" durch Shogun Tokugawa Iemochi und den preußischen Staatsmann Graf Friedrich Albrecht zu Eulenburg vom 24. Januar 1861 das bedeutendste Exponat dieser Ausstellung.
Damit nämlich wurde vor 150 Jahren der Grundstein für die anhaltende, fruchtbare aber auch wechselhafte Freundschaft zwischen Japan und Deutschland gelegt. Mit der Ausstellung "Ferne Gefährten - 150 Jahre deutsch-japanische Beziehungen" erinnern die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen an die offizielle Aufnahme deutsch-japanischer Beziehungen, die sich 2011 zum 150. Mal jährt.
Die Ausstellung vermittelt vom 8. November bis zum 5. Februar 2012 im Museum Weltkulturen D5 ein vielschichtiges Bild der deutsch-japanischen Beziehungen. Die Ausstellung wird am 6. November von Bundespräsident und Schirmherr Christian Wulff eröffnet.
Wie die Direktorin des Curt-Engelhorn-Zentrums Kunst- und Kulturgeschichte sagt, ist Japan das erste große asiatische Land, zu dem Deutschland lang anhaltende und tief greifende Beziehungen entwickelt hat. Aus deutscher Sicht sei das Verhältnis zu Japan enger und bedeutender als zu den anderen Staaten Asiens.
So war etwa die Verfassung des Großjapanischen Kaiserreiches, allgemein bekannt als die Meiji-Verfassung, das Ergebnis staatlicher Modernisierung nach westlichen Vorbildern. Inspiriert durch die preußische Verfassung von 1850 entschied sich die Regierung 1881 für das Prinzip des deutschen Konstitutionalismus als Modell für die japanische Verfassung.
Die Ausstellung in Mannheim spannt den Bogen von den ersten historischen Kontakten zwischen beiden Ländern bis hin zu den aktuellsten Verbindungen in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur. Unter den Exponaten sind teils noch nie gezeigte Leihgaben aus japanischen und deutschen Sammlungen wie etwa exklusive Geschenke der preußischen Delegation an den damaligen japanischen Machthaber.
Präsentiert werden neben historischen Objekten auch zeitgenössische Mangabilder, Roboter-Prototypen und Installationen des deutsch-japanischen Künstlers Kanjo Také, die den Facettenreichtum der fruchtbaren Freundschaft zwischen beiden Nationen aufzeigen. Vom ersten Faxgerät über den Mercedes des japanischen Tenno bis zu den sportlichen Triumphen der japanischen Fußballerinnen können die Besucher außergewöhnliche Exponate und bewegende Geschichten aus 150 Jahren gemeinsamer Historie auf sich wirken lassen.
Auch die düsteren Kapitel der deutsch-japanischen Freundschaft werden thematisiert. So sind Berichte und Fotos von deutschen Kriegsgefangenen nach dem Ersten Weltkrieg zu sehen, aber auch das Leben von ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen, die später in Japan Fuß gefasst haben. Dass Deutschland neben Italien auch mit Japan während des zweiten Weltkriegs eine Allianz bildeten, das belegt der originale Vertrag über den Dreimächtepakt von 1940.
Parallel zu "Ferne Gefährten" zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen historische Japanfotografien des 19. Jahrhunderts aus eigenen Sammlungsbeständen unter dem Titel "Ins Land der Kirschblüte".
dapd
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