10.02.2012, 22:59 Uhr | dapd
Zumindest im Fasching hat der Herausforderer dem Amtsinhaber den Rang abgelaufen. Während Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wie üblich beinahe unverkleidet im Smoking und mit Paillettenkrawatte bei der BR-Fernsehsitzung "Fastnacht in Franken" in Veitshöchheim auftauchte, warf sich am Freitagabend der designierte SPD-Spitzenkandidat Christian Ude in ein stilechtes Musketiergewand aus dem Kostümverleih.
Gemeinsam mit SPD-Landeschef Florian Pronold, Generalsekretärin Natascha Kohnen und dem Fraktionsvorsitzenden Markus Rinderspacher wollte Ude nach eigenen Angaben den Zustand der bayerischen Genossen zeigen. "Mich begeistert das Motto einer für alle - alle für einen", begründete er das Gewand.
Bei den Rede- und Liedvorträgen spielte der Zweikampf der beiden eine große Rolle. So frotzelte Sitzungspräsident Bernd Händel, Ude habe sich aus München herausgewagt, um "fränkisches Feindesland" zu betreten und dabei herausgefunden, dass es doch nicht so nahe am Kongo liegt wie er immer geglaubt habe.
Anschließend erklärte er den Wahlkampf für eröffnet und legte dem Münchner OB auf die Melodie von "Anton aus Tirol" und gemünzt auf Seehofer in den Mund: "Deine geistig tiefen Täler sind ein Wahnsinn für die Wähler." Den Ministerpräsidenten wiederum ließ er singen: "Ude, ich mach dich nieder, bleibst du nicht zu Haus, Ude bleib doch lieber im Münchner Rathaus".
Der Scherzbold Oliver Tissot aus Nürnberg bezweifelte, ob es für den Herausforderer zum Sprung in die Staatskanzlei reichen wird, denn 20 Jahre als OB - "das ist nach deutschem Strafrecht lebenslänglich mit Sicherungsverwahrung". Die "Altneihauser Feierwehrkapell'n" lästerte in Richtung Ude: "Er ist in Franken aufgetaucht, weil er noch ein paar Stimmen braucht und betrachtet mitleidsvoll, was er da mal regieren soll."
Auch für die Anwesenheit des Ministerpräsidenten hatte Feuerwehrchef Norbert Neugirg eine Erklärung. "Und meidet Horst den Frankengipfel, dann wird der Münchner Weißwurstzipfel, wenn's dumm geht nächstes Jahr, am End noch bayerischer Ministerpräsident", reimte er.
Wulff und der Himmelsventilator
Hauptzielscheibe des Narrenspotts war aber das Staatsoberhaupt Christian Wulff. "Wer Wahrheit in viel Stücke schneidet, oft selbst Zerstückelung erleidet - und kommt am Ende Schritt für Schritt beim ganzen Volk in Misskredit", fasste Bruno Gold von den "Parodis" die Misere zusammen.
"Steigerwaldbäuerle" Otti Schmelzer erzählte die Geschichte von Wulff, der in den Himmel kommt, wo es für jeden Politiker eine Uhr gebe. Bei jeder Lüge von ihnen gehe der Stundenzeiger ein Stück weiter. Auf die Frage wo seine sei, habe Wulff von Petrus zur Antwort bekommen: "Die hängt in der Küche als Ventilator.
Viel Häme gab es auch für die FDP. So redete Peter Kuhn als Zeus von den "Qualen der Liberalen". Rösler sei wie Sisyphos, er müsse den liberalen Felsen aus dem Jammertal wälzen: "Jetzt wird geliefert ruft er munter, da rollt der Stein schon wieder runter."
Und Norbert Neugirg gab zum Besten, der FDP-Chef sei "im besten Fall ein Mann für'n Tanzkursabschlussball". Die Prozente der Liberalen bewegten sich auf Wulffschem Zinsniveau. Wofür er auch die Erklärung lieferte, denn "hat die Partei nur junge Spunde, dann geht sie vor die Hunde".
dapd
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