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Beisetzungen werden im Winter zu Schwerstarbeit

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Beisetzungen werden im Winter zu Schwerstarbeit

09.02.2012, 15:15 Uhr | dapd

Die sibirische Kälte macht den Lebenden im Alltag ordentlich zu schaffen. Und sie erschwert auch die Arbeitsbedingungen derer beträchtlich, die die gerade Verstorbenen zur letzten Ruhe betten wollen. Während über den Gräbern auf Thüringens Friedhöfen eine weiße Decke liegt, ist der Boden darunter durch den strengen Frost der vergangenen Tage so hart geworden, dass neue Gräber nur noch mit schwerem Gerät angelegt werden können - wenn überhaupt: Auf einigen Friedhöfen in Südthüringen werden schon seit Tagen oder Wochen keine Toten mehr bestattet.

So hat beispielsweise die Friedhofsverwaltung in Sonneberg Urnenbeisetzung vorerst völlig ausgesetzt. "Wir kommen kaum noch in den Boden", sagt die zuständige Sachgebietsleiterin Christa Schneider. Die letzte Urnenbeisetzung 2012 liegt schon mehr als eine Woche zurück. "Aber das war auch nur möglich, weil wir das Grab schon zuvor ausgehoben hatten", sagt sie. Über schweres Gerät verfüge man nicht. Etwa zehn Urnen warteten deshalb inzwischen schon auf die Beisetzung.

Ähnlich ist die Situation in Neuhaus am Rennweg. In der Stadt, die mehr als 800 Meter über dem Meeresspiegel liegt, werden schon seit zehn Jahren immer zwischen dem 1. Dezember und dem 31. März keine Urnenbegräbnisse mehr durchgeführt. "Strenger Frost im Winter ist bei uns hier oben ganz normal", sagt die städtische Hauptamtsleiterin Sabine Höhn. Die Urnen der Verstorbenen würden im Winter sicher im Rathaus verwahrt und dann ab April wieder bestattet; wenn es die Witterung zuließe, schon in der zweiten Märzhälfte. Die Angehörigen der Verstorbenen, berichten Schneider und Höhn übereinstimmend, hätten in der Regel Verständnis für die witterungsbedingten Wartezeiten.

Ausnahmen machen beide Friedhöfe in diesen Tage nur bei Erdbestattungen, von denen es aber nur noch wenige gebe. "Wenn so ein Fall eintritt, werden wir uns wohl quälen müssen", sagt Schneider. Erdbestattungen müssen laut Gesetz innerhalb weniger Tage nach dem Tod eines Menschen vorgenommen werden. Höhn verweist darauf, dass man in einem solchen Fall die Hilfe des städtischen Bauhofs in Anspruch nehme.

Wie viel Aufwand eine Erdbestattung bei diesem Wetter bedeuten kann, hat die Kirchgemeinde Eisenberg jüngst erfahren müssen. Für eine Erdbestattung, erzählt die Friedhofsverwalterin der Gemeinde Ute Seifart, habe man eigens Geräte mieten müssen: einen Bagger, einen Elektrohammer und ein Elektroaggregat. "Das war ein extremer Mehraufwand."

Trotzdem ist die Situation auf den Friedhöfen im Thüringer Becken weiterhin noch recht entspannt. "Der Boden ist zwar härter gefroren als im vergangenen Jahr, aber wir bestatten ganz normal weiter", sagt Dirk Eichholtz, der bei der Stadt Weimar für Friedhofsangelegenheiten zuständig ist. Sein Amtskollege in Erfurt, Wolfgang Schwarz, und die Sprecherin der Stadt Jena, Barbara Glasser, äußern sich ähnlich. In den drei Städten werden die Gräber für die Urnenbeisetzungen mit einem Elektrohammer vorbereitet. Der Boden ist dort überall etwa zehn bis zwanzig Zentimeter tief gefroren.

Unklar ist, wie lange auch in den flacheren Regionen noch bestattet werden kann. Während Schwarz aus Erfurt nicht daran glaubt, dass die Beisetzungen demnächst eingestellt werden müssten, ist Eichholtz vorsichtiger. Wenn es noch lange so kalt bleibe, sagt er, sei demnächst "vielleicht eine Grenze erreicht".


dapd  

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