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Bereits im März 2010 erhöhte Dioxin-Werte im Futterfett

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Bereits im März 2010 erhöhte Dioxin-Werte im Futterfett

08.01.2011, 15:08 Uhr | DAPD

Berlin (dapd). Der Skandal um dioxinverseuchtes Tierfutter nimmt immer größere Ausmaße an. Belastete Futterfette sind schon viel länger verarbeitet worden als bislang angenommen. Bereits im März 2010 hat ein privates Institut erhöhte Dioxin-Werte bei dem Futterfett-Hersteller Harles und Jentzsch aus Uetersen festgestellt, wie ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministeriums am Freitag in Kiel sagte. Auch danach habe es weitere Auffälligkeiten gegeben.

Neue Rückstellproben der Firma wiesen eine Belastung mit dem Umweltgift auf, die um das 77-fache über dem zulässigen Dioxin-Grenzwert liegt. Die Werte von zehn weiteren Proben reichten von 0,66 bis 58,17 Nanogramm, wie das Ministerium mitteilte. Der zulässige Grenzwert von 0,75 Nanogramm wurde in weiteren neun Fällen überstiegen.

Wegen des Dioxin-Skandals wurden dem Bundesagrarministerium bis Freitagvormittag 4.709 Betriebe als gesperrt gemeldet, die meisten in Niedersachsen. Am Nachmittag kam zum ersten Mal ein Betrieb aus Baden-Württemberg hinzu. Es geht um mögliche Dioxin-Ablagerungen in Eiern, Geflügel und Schweinefleisch.

Das Bundesministerium geht bei der Fettpanscherei nicht mehr von einem Versehen oder einer Kontrolllücke aus. "Die Indizien sprechen hier im Moment eher für ein hohes Maß an krimineller Energie", sagte Ministeriumssprecher Holger Eichele. "Es gibt Indizien dafür, dass der Betrieb gar nicht amtlich gemeldet war, um sich eben auch den amtlichen Kontrollen nicht auszusetzen." Die amtlichen Kontrolleure könnten nur in Betrieben tätig werden, die auch gemeldet seien. "Wenn dort jemand verdeckt mischt oder panscht oder produziert, dann wird es schwer für die staatlichen Kontrolleure, hier einzuschreiten."

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat die Vorsitzenden der Verbraucher- und der Agrarministerkonferenzen der Länder gebeten, für Mitte Januar eine Sonderkonferenz in Berlin einzuberufen. Sie soll vor der Grünen Woche stattfinden. Hauptthema sind Konsequenzen aus dem Dioxin-Skandal.

Darüber hinaus lud Aigner bereits für Montag Vertreter der Futtermittelwirtschaft, der Landwirtschaft sowie Verbraucherschützer zu einem Spitzentreffen nach Berlin ein. Einen Tag danach will sich der Verbraucherausschuss des Bundestags in einer Sondersitzung mit dem Skandal befassen.

Zu möglichen Auswirkungen des Skandals auf die Bauern sagte Eichele: "Noch ist nicht annähernd zu bilanzieren, wie hoch der Schaden ist." Grundsätzlich hätten die Futtermittelunternehmen eine Produkthaftpflicht. Auf Verbandsebene gebe es dann noch Versicherungen. "Bevor irgendeine Versicherung zahlt und irgendeine Haftpflicht greift, muss erst einmal geklärt werden: War es Vorsatz, war es Fahrlässigkeit oder war es maximale kriminelle Energie", erklärte der Sprecher.

Der Präsident des niedersächsischen Landvolks, Werner Hilse, rechnet nicht mit einem vollständigen Schadenersatz für Landwirte. "Wir werden keinen hundertprozentigen Ausgleich bekommen", sagte Hilse in Walsrode. "Da bleiben wir wieder auf was sitzen."

Inzwischen löste eine verdächtige Postsendung an den Futterfett-Hersteller einen großangelegten Polizeieinsatz aus. Weil dem Geschäftsführer der Inhalt merkwürdig vorkam, hatte er die Polizei verständigt, wie die Polizei mitteilte. Wenig später rückte ein Sprengstoffräumkommando an. Zur Sicherheit musste das Firmengebäude kurzzeitig evakuiert werden. Nach rund 20 Minuten gab es Entwarnung. In der Postsendung befanden sich alte, abgelaufene Essensreste, unter anderem Wurstscheiben und Würstchen.

Bei der Staatsanwaltschaft Münster ging eine Strafanzeige wegen versuchten Mordes aus Habgier gegen Harles und Jentzsch ein. Schwere Körperverletzung und Giftbeimischung lauteten weitere Vorwürfe, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer.


DAPD  

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