15.02.2012, 08:29 Uhr | dapd
Es war Valentinstag, das war bei der Berlinale-Pressekonferenz von Oscarpreisträgerin Meryl Streep unübersehbar. Zur Vorstellung der Filmbiografie "Die Eiserne Lady" über die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher erschien die US-Schauspielerin am Dienstag schon mit einem Sträußchen Blumen. Ein Präsent von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick. Doch dabei sollte es nicht bleiben.
Etwas später schenkte ihr ein junger Journalist einen Strauß weißer Rosen und durfte ihr dafür ein Küsschen auf die Wange geben. Ein russischer Journalist überreichte ihr eine Matroschka mit mehreren Porträts von Streep. Darüber musste der Filmstar, der am Abend mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte, laut und herzlich lachen.
Es ging ziemlich lustig zu auf der Pressekonferenz, obwohl das mehrere Jahrzehnte umfassende Biopic über Aufstieg und Fall der Politikerin wahrlich keine Klamotte ist. Doch Streep bewies immer wieder Humor. Auf die Frage, wie sie nach dem Dreh als Thatcher abgeschaltet habe, sagte die 62-Jährige, Regisseurin Phyllida Lloyd habe ihr am Ende eines jedes Drehtages einen Gin Tonic gebracht. "Dir auch Jim?", fragte Streep ihren Filmpartner Jim Broadbent ("Iris"), der Thatchers Ehemann Denis spielt. "Jim saß schon im Pub", kam Lloyds - mit ihr hat Streep bereits bei dem Erfolgsfilm "Mamma Mia!" zusammengearbeitet - Einwurf von der Seite.
In Thatchers Leben war ihr Mann wohl der wichtigste Mensch. In der Eingangssequenz der "Eisernen Lady" sieht man eine alte Frau mit Kopftuch, die in einem Laden Milch kauft, an der Kasse drängelt sich ein Geschäftsmann vor: Es ist die Ex-Premierministerin, die von 1979 bis 1990 im Amt war, und die heute kaum einer mehr erkennt.
Mitte 80 ist sie, und vor ihren Aufpassern aus ihrer Wohnung ausgebüxt. Sie ist an Demenz erkrankt, hat immer wieder Halluzinationen, in denen sie mit ihrem 2003 verstorbenen Ehemann spricht. Der Film zeigt sie als einsame, alte Dame.
In Rückblenden blickt die 1925 geborene Politikerin, die zur ersten weiblichen Regierungschefin der westlichen Welt avancierte, auf ihr privates und politisches Leben zurück. Welch eisernen Willen die aus einfachen Verhältnissen stammende Thatcher hat, zeigte sich schon als junge Frau im Krieg: Mitten im Bombenhagel rennt sie in den Gemischtwarenladen ihrer Eltern zurück, weil die Butter nicht abgedeckt ist.
Es folgen ein Studium in Oxford, die Heirat mit dem Geschäftsmann Denis Thatcher, ihr Einzug ins britische Unterhaus, ihr Ringen mit ihren männlichen Kollegen, ihr Aufstieg zur Premierministerin, ihr umstrittenes Regiment und ihr tiefer Fall. Der Film zeigt auch die harten Seiten und kritischen Entscheidungen der Politikerin, zeichnet insgesamt aber ein recht mildes Bild der "Eisernen Lady". Der Film sei nicht dokumentarisch, betonte Lloyd, 50 Prozent seien reine Fantasie.
Streep hat bei den Dreharbeiten auch überraschend Neues über die frühere Premierministerin gelernt. Als liberale, linke Schauspielerin habe sie immer ein bestimmtes Bild gehabt: dass Thatcher eine Freundin von US-Präsident Ronald Reagan gewesen sei und "seltsame Klamotten und keine schönen Haare" gehabt habe, sagte sie. Nun habe sie viele verschiedene Aspekte an Thatcher entdeckt, etwa dass diese nicht gegen Abtreibung gewesen sei und schon sehr früh über die Erderwärmung gesprochen habe.
Thatcher würde sich zwar mit aller Vehemenz dagegen wehren, wenn man sie als Feministin bezeichnen würde, sagte Streep, "aber sie war eine". Sie habe Türen geöffnet, und sich in der konservativen Partei nach vorne gekämpft.
"Die Eiserne Lady", in der Streep eine beeindruckende Darstellung abliefert, läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz. Streep ist für ihre Rolle - bereits zum 17. Mal - für einen Oscar nominiert, einen Golden Globe hat die 62-Jährige bereits gewonnen. Auch bei den Preisen der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) wurde sie ausgezeichnet. Der Film startet am 1. März in den deutschen Kinos.
(http://www.berlinale.de)
dapd
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