22.02.2011, 15:25 Uhr | dapd
Berlin (dapd). Mit dem Drama "The Forgiveness Of Blood" über eine Blutfehde in Albanien ist der Wettbewerb um die Bären der 61. Berlinale am Freitag zu Ende gegangen. In der Pressevorführung gab es viel Applaus für den letzten Kandidaten für die Preisverleihung am Samstag. Zuvor sollte am Freitagabend der 80-jährige Schauspieler Armin Mueller-Stahl mit dem Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk geehrt werden. Zudem stand die 25. Verleihung des Teddy Awards auf dem Programm. Vom Publikum erlebte die diesjährige Berlinale wieder einen Besucheransturm.
Regisseur Joshua Marston schildert in "The Forgiveness Of Blood" das Schicksal einer auf dem Land lebenden Familie, deren Vater im Streit einen Nachbarn getötet hat. Der Vater flüchtet und lässt drei Kinder und seine Frau zurück. Wegen des sogenannten Kanuns, eine Art Gesetzestext, wird die Familie isoliert - die Erwachsenen dürfen das Haus nicht verlassen, sonst trifft sie die Rache. Der Staat unternimmt nichts gegen diese Art der Selbstjustiz. Die 14-jährige Tochter sichert das Überleben der Familie, indem sie Brot und Zigaretten verkauft.
Marston schildert in dem spannenden und berührenden 100-minütigen Film eine soziale Realität vor dem Hintergrund überkommener Ehrbegriffe. Für ihn sei es ein Film über Generationenkonflikte, sagte der Regisseur in Berlin. "Ich wollte eine Geschichte über Spannungen zwischen Traditionellem und Moderne zeigen, insbesondere in einer Gesellschaft, die sich im Umbruch befindet", fügte er hinzu.
Außer Konkurrenz wurde der mit Liam Neeson, Bruno Ganz und Diane Kruger prominent besetzte Action-Thriller "Unknown" im Wettbewerb gezeigt. Neeson spielt einen Wissenschaftler, der nach einem schweren Autounfall in Berlin aus dem Koma erwacht. Entsetzt merkt er, dass ihn seine Frau (January Jones) nicht mehr erkennt und ein anderer Mann seinen Platz eingenommen hat.
Kruger sagte nach der Vorstellung des Films, es sei ihr wichtig gewesen, die Stunts selbst zu machen. Die von ihr gespielte Gina sei tough und um sie glaubwürdig darzustellen, habe sie den körperlichen Einsatz von sich selbst gefordert, betonte die 34-Jährige. Überhaupt seien die Dreharbeiten ziemlich anstrengend gewesen, fügte Regisseur Jaume Collet-Serra hinzu. Berlin sei als Drehort für einen Film über einen Mann auf Identitätssuche perfekt gewesen, sagte der 36-jährige Spanier: "Die Stadt hat eine Menge Möglichkeiten geboten, um das darzustellen."
Mueller-Stahl hatte sich vor der Übergabe des Goldenen Ehrenbären am Morgen in das Gästebuch der Stadt Berlin eingetragen. Der Schauspieler erhielt vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im Roten Rathaus einen weißen Porzellanbären.
Der Teddy Award ehrt die besten lesbisch-schwulen Filme der Berlinale. Mit einem Sonderpreis wird der südafrikanische Politkabarettist Pieter-Dirk Uys ausgezeichnet.
Die Preise der 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin werden am Samstag bei einer Gala verliehen. In diesem Jahr konkurrieren 16 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären. Favoriten auf den Gewinn des Goldenen Bären für den besten Film sind das iranische Drama "Nader And Simin, A Separation" von Asghar Farhadi und das Endzeitdrama "Das Turiner Pferd" des Ungarn Bela Tarr. Die Verleihung wird ab 19.00 Uhr live in 3sat übertragen.
Jurorin Nina Hoss rechnet vor der Preisvergabe mit Streit. "Das passiert am Ende bestimmt", sagte die Schauspielerin der "Berliner Morgenpost" (Freitagausgabe). In der Internationalen Jury gebe es "sehr unterschiedliche Geschmäcker. Aber wenn wir streiten werden, dann wohl nur um die Sache. Wir sind eine ganz liebe Truppe", sagte Hoss.
Am Sonntag gehen die am 10. Februar gestarteten Filmfestspiele, die als weltweit größtes Publikumsfestival gelten, mit einem Kinotag für das Publikum zu Ende. Wie im Vorjahr seien rund 300.000 Eintrittskarten verkauft worden, teilte die Berlinale am Freitag mit.
dapd
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