18.04.2011, 09:43 Uhr | dapd
Berlin (dapd-bln). Gleich zwei Protestaktionen gegen die Verhaftung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei hat es am Wochenende in Berlin gegeben. Während sich am Samstag einige Aktivisten von Amnesty International mit Plakaten am Brandenburger Tor versammelten, setzten sich am Sonntag rund 150 Berliner mit Stühlen vor die chinesische Botschaft an der Jannowitz-Brücke.
Damit folgten sie einem Aufruf über die Internetplattform Facebook. Unter dem Motto "1.001 Stühle für Ai Weiwei" fanden am Sonntag deutschlandweit Solidaritätsaktionen statt, darunter auch in Hamburg, Frankfurt oder München. Die Idee ist an das "Fairytale"-Projekt von Ai Weiwei angelehnt. 2007 stellte er auf der documenta in Kassel 1.001 Holzstühle aus der Zeit der Qing-Dynastie auf.
Mit Küchenstühlen vor der Botschaft
Mit mitgebrachten Küchen-, Klapp- und Korbstühlen ließen sich die Sympathisanten des Chinesen auf dem Gehsteig der Jannowitz-Brücke nieder, den Blick Richtung Botschaft gerichtet. Manche von ihnen hielten Zettel in der Hand, auf denen ein Foto des Künstlers abgebildet war. Darunter stand "Missing" - ein Hinweis darauf, dass Ai Weiwei seit rund zwei Wochen verschwunden ist. Seit seiner Inhaftierung hat es von Ai Weiwei kein Lebenszeichen gegeben. Zahlreiche Politiker weltweit haben seine Freilassung gefordert.
Obwohl die Aktion über die Internetplattform organisiert und nicht bei der Polizei angemeldet war, waren einige Beamte an die Brücke gekommen. Allerdings werde auch diese Art der Sitzblockade vom Versammlungsrecht gedeckt, sagte ein Polizist. Solange die Autofahrer noch durchfahren könnten und die Botschaft nicht angegriffen werde, sähen die Beamten keinen Grund, einzugreifen.
Unter den rund 150 Sitzenden und den etwa 30 Zuschauern aller Altersstufen waren auch einige Künstler, die sich solidarisch mit Ai zeigen wollten. Er hoffe, dass Ai Weiwei schnell freikomme, sagte etwa Konstantin Schneider, ein Blogger, der sich "Kunstkontakter" nennt. Mit den Stühlen an "Fairaytale" zu erinnern, bezeichnete er als sehr gelungene Form des Widerstands. "So bleibt der Protest im Kunstambiente", sagte er.
Laut Amnesty steht Ai für viele politische Gefangene in China
Die rund 20 Menschenrechtsaktivisten von Amnesty International (ai), die sich am Samstag zu einer Mahnwache am Brandenburger Tor versammelt hatten, trugen ebenfalls Schilder mit Fotos von Ai Weiwei. "Freedom for Ai Weiwei" oder "Wo ist Ai Weiwei?" stand darauf. Mit der Aktion wolle man zeigen, dass es vielen Menschen in Deutschland nicht egal sei, wie in China mit kritischen Menschen umgegangen werde, sagte Martin Reiner vom ai-Bezirk Berlin-Brandenburg. "Ai Weiwei steht für Hunderte, wenn nicht Tausende Chinesen, die im Gefängnis sind, weil sie von ihrem Recht zur freien Meinungsäußerung Gebrauch gemacht haben", fügte er hinzu.
Auch der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, hatte sich den ai-Aktivisten angeschlossen. Das Verschwinden von Ai Weiwei zeige, welche Angst ein großes Reich wie China vor einem freien Geist habe, sagte er. Die Mahnwache solle auf das Schicksal des bekannten Künstlers und zahlreicher anderer Menschenrechtsaktivisten oder Rechtsanwälten hinweisen. "Wir dürfen nicht hinnehmen, dass jemand einfach so verschwindet", sagte Staeck.
dapd
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