27.10.2011, 15:10 Uhr | dapd
In der Berlinischen Galerie ist die erste umfassende deutsche Gesamtschau mit Werken der Fotografin Eva Besnyö (1910-2003) zu sehen. Die ungarische Künstlerin lebte von 1930 bis 1932 in Berlin und schuf einmalige Bilddokumente der damaligen Zeit. Gezeigt werden 120 Vintage-Prints. Die bis Februar 2012 dauernde Ausstellung sollte am Donnerstagabend im Beisein der Tochter der Fotografin eröffnet werden.
Die Fotografin Eva Besnyö hatte sich vor allem als Vertreterin und Verfechterin des "Neuen Sehens", der Bildsprache der Moderne, einen Namen gemacht. Ihr Vorbild war der Fotograf Albert Renger-Patzsch. Bekannt wurde sie durch ihre Architekturfotografien sowie durch Bild-Dokumentationen von der niederländischen Frauenbewegung. In Berlin fotografierte sie unter anderem 1931 die Umbauarbeiten am Alexanderplatz.
Besnyö, die in einem liberalen jüdischen Elternhaus in Budapest aufwuchs, absolvierte von 1928 bis 1930 eine Fotografenlehre. Nach dem Abschluss ging sie nach Berlin. Dort arbeitete die 20-Jährige zunächst für kurze Zeit im Atelier eines Werbefotografen, bevor sie in das renommierte Pressebüro Dr. Peter Weller wechselte. Bis heute seien viele ihrer Bilder nicht zugeordnet, da die Arbeiten üblicherweise mit dem Namen des Büros versehen wurden, sagte Kuratorin Elisabeth Moortgat.
Berlin als "Stadt der Avantgarde" habe die Ungarin ein Leben lang geprägt, sagte Moortgat. Besnyö habe in Berlin regelmäßig Aufführungen moderner Kunst wie Tanz, Kino und Theater besucht. "Ihr Interesse galt vor allem der Bildsprache russischer Filme." Finanziell unterstützt worden sei sie in dieser Zeit von ihrem Vater. "In Berlin sind die großen, die bleibenden Bilder von ihr entstanden."
"Sie hatte zugleich ein feines politisches Sensorium für die aufziehende Gefahr des Nationalsozialismus", erläuterte die Kuratorin. "1932 war es für sie als Linke und als Jüdin nicht mehr möglich, in Berlin zu bleiben." Wie bereits bei der Ankunft in Berlin habe ein Freund den nahtlosen Wechsel nach Amsterdam ermöglicht. Wie in Berlin sei sie auch dort schnell mit wichtigen Künstlern des Landes bekannt geworden, darunter mit dem Architekten Gerrit Rietveld.
Eine erste Einzelausstellung 1933 habe sie und ihre Arbeiten schlagartig bekannt gemacht, sagte Moortgat. Einen weiteren Durchbruch habe sie kurz darauf als Fotografin der modernen Architektur des Landes erlebt. International bekannt wurde Besnyö den Angaben zufolge auch durch ihre Beteiligung an der Ausstellung "D-O-O-D", die sich gegen die Olympischen Spiele im nationalsozialistischen Deutschland richtete. 1937 organisierte sie die erste umfassende Film- und Fotoausstellung der Niederlande. Die Besetzung überlebte sie mit einem gefälschten "Ariernachweis". Eva Besnyö starb 2003 in Laren bei Amsterdam.
Kuratiert wurde die Retrospektive vom Verborgenen Museum Berlin. Die von einem Verein getragene Einrichtung ohne festen Sitz macht nach eigenen Angaben vergessene Künstler seit 1986 wieder bekannt. Zum Rahmenprogramm der Schau gehört eine Lesung mit der Schauspielerin Maria Schrader am 3. November.
dapd
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Die Spezialkollektion für jede Kör-
perform: perfekt für Business und Freizeit. zum XXL-Special
Ohne Handumdrehen schneller fertig: 18-tlg. Set statt 59,99 € jetzt für nur noch 39,99 €. von neckermann