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Bundesweit erster Körperscanner-Test in Hamburg hat begonnen

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Bundesweit erster Körperscanner-Test in Hamburg hat begonnen

27.09.2010, 15:43 Uhr | DDP

Hamburg (dapd-nrd). Nach diversen europäischen Ländern wird nun auch in Deutschland der Einsatz von Körperscannern getestet. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) weihte die zwei Geräte am Montag am Hamburger Flughafen ein. Der bundesweit erste Test eines Körperscanners soll sechs Monate dauern und ist für die Passagiere freiwillig.

"Der heutige Tag ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer verbesserten Luftsicherheitskontrolle auf deutschen Flughäfen, sagte de Maizière bei der Einweihung. Die Bundesregierung hatte entschieden, die Einführung von Körperscannern zu prüfen. Auslöser war der vereitelte Sprengstoffanschlag eines Nigerianers auf ein US-Passagierflugzeug Ende 2009. Der Mann hatte den Sprengstoff in seiner Unterhose versteckt. Dieser versuchte Anschlag habe gezeigt, dass der Luftverkehr nach wie vor Angriffsziel des internationalen Terrorismus sei, sagte der Bundesinnenminister.

In Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden wurden die Körperscanner bereits erprobt. In Italien setzt das Personal ebenfalls verschiedene Geräte an vier Flughäfen ein, darunter auch das Hamburger Modell. Nach Angaben von Achim Friedl vom Bundesinnenministerium handelte es sich dabei jedoch um Geräte mit einer älteren Software.

Geräte gesundheitlich unbedenklich

Seit Mitte 2009 hatte die Bundespolizei verschiedene Geräte im Testlabor in Lübeck getestet. Die Erprobung hierzulande sei auch möglich geworden, weil die drei Grundvoraussetzungen erfüllt seien: Gesundheitliche Unbedenklichkeit, Wahrung der Persönlichkeitsrechte und ein Mehrwert für die Luftsicherheit, sagte der Minister.

De Maizière versicherte, es sei selbstverständlich gewesen, dass in Deutschland keine sogenannten Nacktscanner eingeführt werden. So produziert der in Hamburg zum Einsatz kommende Scanner vom Typ L-3 ProVision ATD keine Körperbilder mit Konturen, sondern zeigt an einer Art Strichmännchen verdächtige Stellen an und entdeckt somit innerhalb von Sekunden versteckten Sprengstoff oder Waffen.

Nutzung der Körperscanner freiwillig

Die erzeugten Daten sollen nach der Kontrolle wieder gelöscht werden. Auch ist die Nutzung für die Passagiere des Körperscanners freiwillig. Die bisher übliche Sicherheitskontrolle durch die klassische Torsonde bleibt parallel bestehen.

"Wir hoffen, dass sich viele Fluggäste an dem Test beteiligen", sagte der Hamburger Flughafenchef Michael Eggenschwiler. Schließlich stellten die in Hamburg gewonnenen Ergebnisse die Grundlage für eine mögliche bundesweite Einführung. 2009 wurden am Hamburger Flughafen 12,23 Millionen Fluggäste registriert.

Friedl zufolge kosten die Probegeräte in der Hansestadt jeweils 150.000 Euro. Bei einer entsprechenden Stückzahl gehe er von einem Preis von unter 130.000 Euro aus.

Europäische Standards angestrebt

Nach der Testphase sollen die Ergebnisse ausgewertet werden. De Maizière ist überzeugt, dass die Verwendung von Körperscannern "ein echter Gewinn für die Sicherheit im zivilen Luftverkehr ist". Ergebe der Test in Hamburg allerdings, dass die Geräte noch nicht ausgereift seien, würden sie nicht eingeführt.

Nach Bekanntwerden der Testphase in Hamburg im Sommer war der US-Hersteller der Fabrikate in die Kritik geraten, weil dessen Produktpalette neben Scannern auch die international geächteten Streubomben umfasst haben soll. De Maizière zufolge hat das Ministerium eine rechtsverbindliche Erklärung vom Hersteller und vom Lieferanten, der österreichischen EAS Envimet Analytical Systems, bekommen, dass dies nicht der Fall ist.

Der Flughafenverband Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) begrüßte die Einführung der Körperscanner. Der Test werde offenbaren, inwieweit sich die Geräte in die betrieblichen Abläufe einbinden lassen und wie viele Personen in der Stunde kontrolliert würden, sagte Eggenschwiler, der zugleich als ADV-Präsident fungiert.

Linke fürchten Verletzung der Intimsphäre

"Bei diesen Körperscannern ist der Datenschutz nicht gegeben und die Intimsphäre wird verletzt", sagte hingegen die Linke-Innenexpertin Ulla Jelpke. Insbesondere bei kranken oder behinderten Menschen könne der Einsatz der Scanner tief in die Intimsphäre eingreifen. Die Geräte erfassten auch sämtliche Abweichungen von einem "Normalkörper" wie Dauerkatheter, künstliche Darmausgänge oder Prothesen, gab sie zu bedenken.

dapd


DDP  

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