18.04.2011, 10:25 Uhr | dapd
Hannover/Remlingen (dapd). Im Atommülllager Asse ist nach Angaben des Betreibers lediglich eine geringe Menge radioaktiv belastete Lauge ausgetreten. In dem Bohrloch vor der Einlagerungskammer 12 habe sich weniger als ein Liter der kontaminierten Flüssigkeit angesammelt, sagte der Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Werner Nording, am Freitag der Nachrichtenagentur dapd. Von der mit radioaktivem Cäsium kontaminierten Lauge gehe keine Gefahr für Beschäftigte und Anwohner aus, betonte er.
Nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums gilt die Lauge als schwach radioaktiver Müll, weil sie 24-fach über der Freigrenze mit Cäsium belastet ist. Laut BfS wurde in der Lauge eine Cäsium-Aktivität von 240.000 Becquerel pro Liter gemessen. Die Freigrenze liegt bei 10.000 Becquerel pro Liter.
Die Atomaufsicht müsse auf den Austritt der radioaktiven Lauge nicht gesondert reagieren, sagte die Sprecherin des Umweltministeriums Jutta Kremer-Heye. Mit Blick auf solche Vorfälle habe man dem BfS bereits im vergangenen Juli eine Genehmigung zum Umgang mit radioaktiven Stoffen erteilt, die bis zum hundertfachen der Freigrenze strahlten, sagte Kremer-Heye.
Die Ministeriumssprecherin kündigte zudem Grünes Licht für erste Schritte zur Bergung radioaktiver Abfälle aus der Asse an. Die Genehmigung zum Anbohren der ersten zwei Atommüllkammern in dem ehemaligen Salzbergwerk werde aller Voraussicht nach kommende Woche erteilt, sagte sie. Das BfS hatte als Betreiber des Bergwerks die Erlaubnis für das Anbohren der Kammern bereits im vergangenen Herbst beantragt.
In der Kammer 12 des Atommüllers, vor der sich die Cäsium-Lauge ansammelte, lagern nach Angaben des BfS rund 7.500 Fässer mit schwach radioaktiven Abfällen. Vor der Kammer gibt es eine zweite Stelle, an der seit langem belastete Lauge zutage tritt. Die dort austretende Flüssigkeit werde unter Tage in Tanks gesammelt, erläuterte BfS-Sprecher Nording. Unbefugte kämen damit nicht in Berührung.
Als Konsequenz aus dem Laugenaustritt mahnten Umweltschützer einen Neuanfang bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle an. Nach den Erfahrungen in der Asse müsse man davon "Abstand nehmen, dass Salz ein geeignetes Medium ist, um langfristig Atommüll zu lagern", sagte der Sprecher der Anti-AKW-Organisation "ausgestrahlt", Jochen Stay. Es sei nötig, "das Atommüllproblem ganz neu anzugehen". Dies bedeute auch das Ende für das Endlagerprojekt Gorleben.
Der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow Dannenberg, Wolfgang Ehmke, bezeichnete den erneuten Austritt von Lauge mit radioaktiven Cäsium als Menetekel für eine in einem Endlager Gorleben drohende Situation. "Nachrichten aus der Asse nehmen wir auf wie Nachrichten aus der fernen Zukunft Gorlebens", sagte er.
dapd
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