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Champagner auf Stiftungskosten

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Champagner auf Stiftungskosten

31.01.2012, 17:32 Uhr | dapd

Jakobsmuscheln, Champagner und Hummersalat: Beim Prozessauftakt gegen den ehemaligen Leiter der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Ralph Melcher, konnten sich die Zuhörer im Landgericht Saarbrücken am Dienstag zeitweise wie auf einer kulinarischen Rundreise fühlen. Detailliert trug die Staatsanwaltschaft bei der Anklageverlesung vor, wie es sich Melcher auf Stiftungskosten hatte gut gehen lassen.

Ebenso detailliert wies Melcher die Vorwürfe in einer über zweistündigen Aussage zurück. Der 44-Jährige muss sich im Zusammenhang mit dem Bau des sogenannten Vierten Pavillons des Saarlandmuseums wegen Veruntreuung beziehungsweise Vorteilsnahme in fast 50 Fällen verantworten.

So soll der als Stiftungsvorstand inzwischen fristlos entlassene Kulturmanager zwischen 2006 und 2010 insgesamt 43 Mal mit dem für den Bau des neuen Museumspavillons verantwortlichen Architekten und Projektsteuerers in Luxusrestaurants gegessen haben. Bei einer Reise 2007 nach Wolfsburg speisten die beiden für über 600 Euro im Hotelrestaurant des Ritz Carlton - plus 420 Euro für die Zimmer. Insgesamt geht es laut Anklage um eine Summe von mehr als 10.000 Euro.

"Diese Essen waren keine Besonderheit, sondern Arbeitstreffen", entgegnete der studierte Kunsthistoriker, der nach eigenen Angaben seit seiner Entlassung freiberuflich tätig ist. Zu keiner Zeit hätten seine Bewirtungskosten die in den Haushaltsplänen der Stiftung dafür vorgesehenen Posten überschritten.

Die Untreue-Vorwürfe umfassen auch mehrere private Reisen nach Italien, Spanien und an die Nordsee, die Melcher zumindest teilweise als dienstlich eingestuft haben soll. So reiste er 2007 zusammen mit seiner Frau zur Biennale nach Venedig in ein Vier-Sterne-Hotel, wo er seinen 40. Geburtstag verbrachte.

Besonders fragwürdig ist laut Anklage eine Reise in Begleitung seiner Frau im Januar 2009 nach Berlin, dieses Mal fünf Sterne. Melcher habe dort ein Vorstellungsgespräch gehabt, habe als Reisegrund aber einen dienstlichen Termin am Nachmittag desselben Tages genannt.

Melcher entgegnete, Reiseanlass seien Termine in der französischen Botschaft, Galeriebesuche und das Treffen mit einer aus dem Saarland stammenden Künstlerin gewesen. Das Vorstellungsgespräch habe sich erst kurzfristig ergeben. Solche privaten Termine während seiner Dienstreisen habe er jedoch der Stiftungsverwaltung mitgeteilt. Zur Wahl seiner stets exklusiven Hotels sagte Melcher, es habe in keinem der Fälle "sinnvollere und günstigere Angebote" gegeben.

Über sein offenbar verschwenderisches Geschäftsgebaren hinaus wirft die Anklage Melcher zudem Vorteilsnahme vor. So habe er im Mai 2009 mehr als 8.000 Euro über einen "fingierten Beratervertrag" von dem Projektsteuerer erhalten. Melcher betonte dagegen, er habe das Geld zu Recht erhalten, für Beratungsleistungen für eine angestrebte Tätigkeit des Projektsteuerers für das Deutsche Museum in München. Diese Nebentätigkeit sei mit der damaligen Kulturministerin und heutigen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) abgesprochen gewesen.

Ein vom Projektsteuerer finanziertes Wochenende mit exklusiven Essen und Ausflügen nach Colmar sowie Straßburg wiederum habe er als dienstlichen Termin wahrgenommen, da an diesem sowohl der damalige Kulturminister Jürgen Schreier (CDU) als auch zwei Mitglieder des Stiftungskuratoriums teilgenommen hätten. Die vom Projektsteuerer im Jahr 2010 erbrachten Leistungen an seinem Privathaus auf der Fraueninsel im Chiemsee habe er diesem später bezahlt.

Für den Prozess sind bis Ende Februar weitere acht Verhandlungstage angesetzt.


dapd  

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