03.08.2011, 16:07 Uhr | dapd
Rostock (dapd-lmv). Das Darwineum als neue Bildungs- und Erlebniswelt des Rostocker Zoos nimmt Konturen an. Am Mittwoch wurde der Grundstein für den 20.000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex mit großem Freigelände gelegt. Ab Sommer 2012 finden dort Menschenaffen, Riesenschildkröten und 40 weitere Tierarten eine neue Heimat, wie Zoodirektor Udo Nagel sagte. In einer Multimedia-Ausstellung können Besucher außerdem auf Zeitreise durch die Evolution gehen.
Der mehr als 28 Millionen Euro teure Bau ist die größte Einzelinvestition des Tierparks seit Jahren und auch in der Zoolandschaft landesweit beispiellos. Unabhängig von Wetter und Saison gebe es mit dem Darwineum künftig ein einzigartiges Angebot für die ganze Familie, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Ohnehin gehörten Tiergärten, Wildparks und Aquarien schon jetzt zu den beliebtesten Ausflugszielen im Land.
Zoodirektor Nagel bezeichnete das Darwineum als Kombination aus einer lebendigen zoologischen Sammlung und musealen Ausstellung. So bekommen nicht nur die Rostocker Menschenaffen, die derzeit unter unwürdigen Bedingungen gehalten werden, eine neue Heimat. Es gibt auch eine große "Bibliothek des Lebens", die die Entwicklung der Erdbewohner vom einzelligen Pantoffeltierchen über wirbellose Quallentiere, Lurche und Reptilien hin zum Menschen darstellt. Eine begehbare Stammzelle lädt zum Inspizieren ein, Labore stehen vor allem Kindern zum Mikroskopieren und Experimentieren zur Verfügung.
Für das Darwineum werden knapp zehn Hektar Gelände neu für den Zoo erschlossen, dessen Fläche sich damit um ein Drittel vergrößert. Parallel zur Grundsteinlegung für das Gebäude wurde mit den Arbeiten an den Außenanlagen begonnen. So entstehen 400 Meter lange Wassergräben mit Sumpfzonen. Das Freigelände wird teilweise auch von den Menschenaffen genutzt, Besucher sollen von Brücken und Hütten aus einen freien Blick auf die Tiere bekommen.
Die Tropenhalle soll mit einem Folienkissendach überspannt werden, das Sonnenstrahlen durchlässt und für natürliche Lichtverhältnisse sorgt. Außerdem wird im Gebäude auf feste Grundplatten verzichtet. Gorillas und Orang-Utans können sich damit auch im Innenbereich auf normaler Bodenerde bewegen.
Kritiker hatten die finanziellen und räumlichen Ausmaße des Projekts bemängelt und ein Volksbegehren angestrebt, das jedoch scheiterte. Auch während der Grundsteinlegung gab es einzelne Proteste. Das Darwineum entsteht in einem bislang frei zugänglichen Waldstück, für das der Zoo aber seit Jahrzehnten ein Erbbaurecht besitzt.
EU, Bund und Land unterstützen das Projekt mit knapp 23 Millionen Euro. Rund eine Million Euro sind an Spenden in der Aktion "Schaffen für die Affen" in die Zookasse geflossen. Durch das Darwineum werden sich nach Angaben der Zooleitung im kommenden Jahr die Eintrittspreise erhöhen. Kostete eine Karte bislang 11,50 Euro pro Erwachsener im Sommer, sollen es etwa drei Euro mehr sein.
dapd/cl
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