03.11.2011, 17:15 Uhr | dapd
Weit und breit sind noch keine ausladenden Weihnachtsdekorationen in den Schaufenstern am Petriplatz zu sehen. Plötzlich ertönt ein lautes "Ho! Ho! Ho!" und ein kräftiger Weihnachtsmann flitzt mit drei Engeln im Schlepptau auf einem Segway um die Kurve. Vor das Gefährt sind zwei Plüschrentiere und Christbaumkugeln montiert. "Ist das nicht ein bisschen früh?", fragt ein Passant verdutzt.
"Im Gegenteil, wenn Sie an Heiligabend noch einen Weihnachtsmann brauchen, sollten Sie sich beeilen", antwortet ihm eine Frau, die zu dem Trupp gehört. Mit der Inszenierung in Mitte hat das Studentenwerk Berlin die Weihnachtssaison eingeläutet. Seit dem 1. November ist das Weihnachtsmannbüro der Studentischen Arbeitsvermittlung "Heinzelmännchen" wieder besetzt.
Im Foyer der Mensa der Technischen Universität in Charlottenburg, finden Familien und Firmen das nötige Personal für die Weihnachtszeit. "Wir raten allen Interessierten, sich mit den Bestellungen zu beeilen, da wir eine sehr große Nachfrage haben", sagt Projektleiter Bernd Skischally. Jedes Jahr würden rund 5.000 Berliner und Brandenburger das Angebot nutzen, das zwischen 31 und 69 Euro pro Auftritt kostet.
Am liebsten wird der Weihnachtsmann samt Engel am Heiligen Abend um halb sechs begrüßt: "Das ist die Uhrzeit, die am schnellsten ausgebucht ist", sagt Skischally. Wegen der regen Nachfrage sucht das Studentenwerk händeringend Nachwuchsengel und -weihnachtsmänner. "Damit keine Familie leer ausgeht, kooperieren wir inzwischen schon mit anderen Agenturen aus Berlin und Brandenburg", sagt Skischally.
Einer, der als studentischer Weihnachtsmann von Haus zu Haus zieht, ist Gökhan Kurt. "Es macht mir unheimlich Freude, wenn mich die Kinder mit ihren großen, ehrfürchtigen Kulleraugen ansehen", sagt der Chemiestudent, der seit zwei Jahren mit von der Weihnachtsmann-Partie ist. Wenn der 26-Jährige vor der Tür steht, ist Singen Pflicht. "Das gehört für mich unbedingt dazu. Wer nicht singen will, wird von mir dazu animiert", erzählt Kurt, der persönlich kein Weihnachten feiert.
In seinem weihnachtlichen Job hat der junge Mann schon Einiges erlebt. Einmal quengelte ein kleines Mädchen ununterbrochen, sie wolle unbedingt Ohrringe geschenkt bekommen. "Was in den Geschenken ist, davon habe ich keinen Schimmer. In dem Fall habe ich Blut und Wasser geschwitzt, dass in dem kleinen Päckchen bitte Ohrringe sein mögen", erzählt Kurt. Er hatte Glück. "Wenn das Geschenk ein anderes gewesen wäre, hätte ich mir echt was überlegen müssen", grinst der Student.
Während Weihnachtsmänner wie Gökhan Kurt alleine durch die Wohnzimmer ziehen, können Engel in der Regel nur in Begleitung eines Weihnachtsmannes gebucht werden. "Das ist zur Sicherheit. Wir wollen die Frauen nicht alleine zu Männern nach Hause schicken", sagt der Projektleiter. Es sei zwar noch nie etwas Gravierendes passiert, dabei solle es aber auch bleiben. Skischally meint: "Weihnachten soll schließlich bei aller Arbeit auch für unsere Studenten ein schönes Fest werden."
dapd
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