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Deutschland bereit für ersten Staatsbesuch des Papstes

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Deutschland bereit für ersten Staatsbesuch des Papstes

22.09.2011, 09:22 Uhr | dapd

Deutschland wartet gespannt auf den ersten Staatsbesuch von Papst Benedikt XVI. Voller Vorfreude blicken Hunderttausende von Katholiken auf die am Donnerstag beginnende viertägige Reise ihres Kirchenoberhaupts mit Stationen in Berlin, Erfurt und Freiburg. Unumstritten ist der Besuch allerdings nicht: In der Hauptstadt wollen Zehntausende gegen den Pontifex demonstrieren. Außerdem sorgt die geplante Rede des Staatsoberhauptes des Vatikans im Bundestag bis zuletzt für Zündstoff unter den Parteien.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte am Mittwoch, sie erhoffe sich vom Besuch des Papstes "Orientierung in diesen gewiss nicht leichten Zeiten". Der Besuch von Benedikt XVI. "wird uns alle bereichern", sagte die CDU-Vorsitzende.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nannte die beiden christlichen Kirchen "Pfeiler der Gesellschaft". Wer die Rede des Papstes im Bundestag nicht hören wolle, solle doch "gleichwohl prüfen, ob die Kirche nicht doch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitrage".

Benedikt XVI. werde sich bei seinem Besuch und besonders auch in seiner Rede im Parlament zur "Gesellschaft, Europa und Deutschland" äußern, sagte Zollitsch. Der Papst werde 17 Mal während seines viertägigen Besuchs sprechen, was für einen Mann von 84 Jahren ein "volles, fast übervolles" Programm sei.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) wies die Kritik an der Rede Benedikts im Parlament als "sehr übertrieben" zurück. "Ich glaube nicht, dass die Trennung von Staat und Kirche infrage gestellt wird", sagte Thierse im ZDF-"Morgenmagazin". Ihn irritiere die "Aggressivität und Heftigkeit" mit der die Kritik geäußert werde.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, sagte dem Nachrichtensender N24: "Wir haben in der Vergangenheit auch ähnliche Begehren, zum Beispiel des Dalai Lama, abgewehrt mit der Begründung, dass wir keine Religionsführer vor dem Deutschen Bundestag reden lassen wollen." Diese Regel werde nun "ohne rechten Grund" durchbrochen.

Der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, forderte von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), künftig auch andere kirchliche Oberhäupter einzuladen. Man könne nicht allein bei der katholischen Kirche stehen bleiben, sagte Gysi dem Bayerischen Rundfunk.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles kritisierten dagegen die Abgeordneten, die der Papstrede im Bundestag fernbleiben wollen. "Dafür habe ich kein Verständnis", sagte Schavan den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Der Papst sei nicht nur das Oberhaupt der katholischen Kirche, "sondern auch einer der größten Denker unserer Zeit", betonte die CDU-Politikerin.

Nahles forderte "Respekt" für den Papst. "Wir haben auch George W. Bush und Wladimir Putin im Bundestag angehört." Man müsse nicht allem zustimmen, was Benedikt XVI. sage.

Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler sagte, für ihn als Politiker und gläubigen Katholiken sei es unerlässlich, sein Handeln auf einem Fundament menschlicher Werte aufzubauen. "Deshalb freue ich mich auf die Anregungen und Denkanstöße unseres Papstes", sagte Rösler. "Auch wer ihm nicht folgen will oder kann, sollte die innere Offenheit aufbringen, sich mit seinen Worten unvoreingenommen auseinanderzusetzen."

Der Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, verlangte hingegen Respekt für die Boykotteure der Papstrede im Bundestag. "In diesem Land zählen Religionsfreiheit und Demonstrationsfreiheit zu den Grundrechten, auch für Abgeordnete", sagte Ernst der Internetseite "n-tv.de". Es gebe genauso viele Gründe, dem Papst zuzuhören, wie gegen ihn zu demonstrieren.

In Berlin sind bei der Polizei sechs Gegendemonstrationen angemeldet. Die größte ist der vatikankritische Zug des Bündnisses "Der Papst kommt" mit 20.000 erwarteten Teilnehmern.


dapd  

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