12.02.2012, 14:14 Uhr | dapd
Deutschlands erste Frauenministerin Gisela Böhrk (SPD) zieht mit Blick auf die Entwicklung der Gleichstellungspolitik eine ernüchternde Bilanz. Frauen würden im Berufsleben meist immer noch schlechter bezahlt als Männer, sagte die 66-Jährige in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd in Lübeck. Böhrk war 1988 in Schleswig-Holstein von Ministerpräsident Björn Engholm (SPD) ins Kabinett berufen worden.
Auch der Zugang zu Spitzenpositionen in der freien Wirtschaft habe sich nicht angemessen verbessert. "Es hat sich gezeigt, dass es nicht klappt, hier nur auf Freiwilligkeit zu setzen, so wünschenswert es auch wäre", sagte Böhrk. Akzeptabel sei dagegen inzwischen, wie der Zugang für Frauen in verantwortliche Führungsstellen des öffentlichen Dienstes funktioniere.
Als Beispiel, wo weibliche Selbstverwirklichung noch an Grenzen stoße, nannte sie das Ehegattensplitting. "Eine Hausfrauenehe ist heutzutage doch gesellschaftsfremd", sagte Böhrk. "Das Ehegattensplitting ist damit ein alter Zopf und gehört abgeschafft."
Enttäuscht sei sie über die bisher "blasse Amtsführung" des jetzt in Kiel für Gleichstellung zuständigen parteilosen Ministers Emil Schmalfuß. "Da würde ich mir mehr Akzente wünschen", sagte Böhrk.
Rückblickend sagt die gebürtige Leipzigerin, sie bedaure es nicht, ihren Beruf für eine Karriere als Berufspolitikerin aufgegeben zu haben. Die frühere Grundschullehrerin war durchgehend von 1975 bis 2005 Landtagsabgeordnete. Ab 1993 änderte sich ihr Ressortzuschnitt im Ministeramt. Fortan war sie auch für Bildung und Sport zuständig, von 1996 bis 1998 dann Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Zu ihrer Bilanz als Ministerin gehörten Frauenförderpläne ebenso wie ein Gleichstellungsgesetz, sagte Böhrk. Leider sei die Silbe "gleich" häufig noch mit dem negativen Image von Gleichmacherei behaftet. Vielmehr handele es sich aber um eine elementare Säule der Demokratie. Böhrk mahnte, die Stärkung der Gleichheit in der Demokratie dürfe nicht den Märkten überlassen werden.
Bildung sei für sie das künftige Schlüsselthema der Politik. Es müsse endlich gelingen, die vorhandene Bildungsreserve auszuschöpfen, sagte die Lübeckerin.
Damals wie heute gehöre Björn Engholm zu ihrem engeren Freundeskreis. "Wir haben aber Privates und unsere öffentliche Verpflichtung stets strikt voneinander getrennt", betonte Böhrk, die von 1991 bis 1995 stellvertretende SPD-Landesvorsitzende war.
Die Person des Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sei für sie ein klassisches Beispiel, wie sich Politik verändert habe. "Heute ist doch alles mehr Schein als Sein, und die Entwicklung der Medien ist daran nicht ganz unschuldig", sagte sie.
dapd
didi0307 schrieb:
am 12. Februar 2012 um 19:10:01
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Frauen an die Macht
mit Grauen denke ich an Führungspositionen besetzt mit Frauen wie Frau von der Leyen oder Schröder. Sicherlich werden
sie diese Positionen nach dem Scheidern ihrer politischen Aktivitäten inne haben.
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