29.09.2010, 10:58 Uhr | DDP
Sassnitz (dapd-lbg). Deutschlands letzte weitgehend naturbelassene Buchenwälder sollen unter den Schutz der UNESCO gestellt werden. Entsprechende Anträge von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Hessen auf Aufnahme der Schutzgebiete in die Weltnaturerbe-Liste würden gegenwärtig von der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) geprüft, teilte das Bundesumweltministerium mit.
Bei den Kandidaten handelt es sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd um noch relativ wilde Kernzonen von Tiefland- und Mittelgebirgsbuchenwäldern in den Nationalparken Jasmund, Müritz, Hainich und Kellerwald-Edersee sowie um ein Totalreservat im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Die Waldgebiete mit einer Gesamtfläche von fast 4.400 Hektar waren in den vergangenen vier Wochen bei Vor-Ort-Besuchen des US-amerikanischen Gutachters David Mihalic inspiziert worden. Der IUCN-Experte hatte in der Vergangenheit schon ein Gutachten über die noch älteren Karpaten-Buchenwälder der Ukraine und Slowakei erstellt, die vor drei Jahren zum Weltnaturerbe erklärt worden waren.
Mihalic sagte, die letzten mitteleuropäischen Rotbuchenwälder gediehen auf unterschiedlichen Standorten und verfügten noch über mehr als 200 Jahre alte Buchen. Weltweit einmalig sei, dass sich dort nur eine einzige Baumart durchgesetzt habe und große Flächen dominiere. Ohne menschliche Steuerung könnten sich diese Areale wieder zu echten naturbelassenen Wäldern zurück entwickeln. "Ich werde bis zum Herbst einem Expertengremium eine Empfehlung vorlegen", sagte Mihalic. Ausschlaggebend für die Bewertung seien der Zustand und die Ausdehnung der Schutzgebiete und ihrer Pufferzonen, das Verwaltungsmanagement, konkrete Gefahren und die Unterstützung der Nominierung durch die ansässige Bevölkerung.
Die Entscheidung über die Anerkennung als Weltnaturerbe fällt voraussichtlich im Frühsommer 2011 auf einer Sitzung des Welterbekomitees in Bahrain. Insgesamt soll es weltweit zehn bis zwölf Kandidaten geben. Bei Erfolg wäre der Buchenwald-Verbund die dritte deutsche Weltnaturerbestätte nach der Grube Messel und dem 2009 in die UNESCO-Liste aufgenommenen Wattenmeer.
Ohne menschliches Zutun wären heute weite Teile Europas von Buchenwäldern überzogen, sagte der Chef der Internationalen Naturschutzakademie Vilm, Hans-Dieter Knapp. Die Buche sei unglaublich anpassungsfähig, gedeihe im sommerkühlen milden Klima an verschiedenen Standorten, könnte jedoch angesichts des Klimawandels bei zunehmender Trockenheit ihre Existenzgrenzen erreichen. In den letzten verbliebenen, unangetasteten Kernzonen gebe es eine besonders große Artenvielfalt. Eine Aufnahme der fünf Buchenareale in die UNESCO-Schutzliste wäre nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern auch aus touristischer Sicht ein riesiger Imagegewinn für die Regionen, unterstrich Knapp.
Bereits vor drei Jahren hatte die UNESCO die Karparten-Buchenwälder in der Ukraine und Slowakei zum Weltnaturerbe erklärt. Seitdem habe der Status den Regionen nicht nur einen spürbaren Gästezuwachs beschert, bestätigte Viktor Kantsurak, Leiter der Agentur für Schutzgebiete im ukrainischen Umweltministerium. "Unter dem Dach der UNESCO entwickelte sich auch eine internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit, von der heute weitere Schutzgebiete profitieren." Mit Unterstützung vor allem deutscher Experten seien allein in der Ukraine 23 neue Naturparks entstanden. Insgesamt verfüge das Land jetzt 40 solcher staatlich anerkannten Schutzgebiete.
dapd
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