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Die Tücken der Verkehrssünderstatistik

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Die Tücken der Verkehrssünderstatistik

09.02.2012, 11:19 Uhr | dapd

Etwa neun Millionen Sünder verzeichnet das Verkehrszentralregister beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg. Das ist wohl knapp ein Fünftel aller Führerscheininhaber. Diese hohe Zahl sagt aber nicht etwa aus, dass sich die Autofahrer heutzutage mehr oder weniger gesetzestreu auf öffentlichen Straßen bewegen würden als 1958. Damals registrierten die Flensburger erstmals Personen, die gegen das Verkehrsstrafrecht verstoßen hatten.

Am Anfang waren es 810.000 Einträge. 1974 wurde das Mehrfachtäter-Punktesystem eingeführt, unter anderem mit der Begründung, die Kraftfahrer müssten diszipliniert werden. Dazu gab es einen tragischen Anlass: 1970 hatte die Zahl der Todesopfer im Verkehr mit mehr als 21.000 die Einwohnerzahl einer mittleren Kleinstadt erreicht. Im vergangenen Jahr waren es noch 3.657 - also eine diametral gegenläufige Entwicklung zur Verkehrssünderzahl.

Die Ursachen für die Entwicklung bei den Verkehrstoten ebenso wie bei den Verkehrssündern sind vielfältig, und deshalb ist auch schwer zu sagen, warum die Zahl der Einträge so stark gestiegen ist. Die Straßen wurden besser und sicherer, Autos wurden sehr viel sicherer. Die Fahrleistung stieg. Und vor allem wurden es viel mehr Autos. Der Bestand hat sich zwischen 1960 und 2010 versechsfacht. Auch führte die Obrigkeit neue registerpflichtige Tatbestände ein wie das Handyverbot oder die Umweltzone.

Auch einschneidende Tempolimits wurden eingeführt - 100 Stundenkilometer auf Landstraßen erst 1972 - und häufiger kontrolliert. Legion sind die knipsenden und blitzenden Starenkästen am Ortseingang, die viele Kommunen als zuverlässige Einnahmequelle nutzen, bei deren Passieren aber auch Punkte in Flensburg gesammelt werden können, wenn die Höhe der Geschwindigkeit das Erlaubte um mehr als 20 Stundenkilometer übersteigt.

Geschwindigkeitsübertretungen stehen mit weitem Abstand an erster Stelle der Eintragungen ins Verkehrszentralregister, gefolgt von Vorfahrtsverletzungen und Alkoholdelikten.

Die genaue Zahl der Inhaber von Führerscheinen in Deutschland ist übrigens nicht bekannt, da sie jahrzehntelang dezentral ausgestellt wurden. Im Zentralen Fahrerlaubnisregister des Kraftfahrt-Bundesamtes werden ausschließlich EU-Kartenführerscheine seit dem 1. Januar 1999 gespeichert. Wer aus früherer Zeit noch einen grauen oder rosa "Lappen" besitzt, ist nicht registriert. Streng genommen, muss er sich auch vorerst nicht von dem lieb gewordenen Papier trennen: Laut einer EU-Führerscheinrichtlinie behalten alle derzeit noch existierenden Führerscheinformate bis 2033 ihre Gültigkeit.

Schon jetzt aber ziehen manche Beschäftigte besonders hinter ausländischen Mietwagenschaltern die Augenbrauen hoch, wenn der Autofahrer sie mit einem Uralt-Führerschein konfrontiert. Offizielle Hochrechnungen legen nahe, dass es in Deutschland insgesamt knapp 50 Millionen Führerscheininhaber gibt. Danach wären 18 Prozent von ihnen wegen schwerer Verkehrssünden in Flensburg registriert.


dapd  

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