21.01.2011, 12:07 Uhr | DAPD
Berlin (dapd). Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hat zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin an die Verbraucher appelliert, den Lebensmitteln mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Es handele sich um "Mittel zum Leben, die ihren Preis wert sein müssen", sagte Aigner am Donnerstag. Angesichts der Preissteigerung von 1,6 Prozent für Lebensmittel im vergangenen Jahr geht die Ministerin davon aus, dass sich diese Entwicklung "wohl so fortsetzen wird". Auch der Deutsche Bauernverband erwartet in Zukunft steigende Preise. Die Zeit der billigen Lebensmittel sei vorbei, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Er erwarte, dass die Preissteigerungen im Rahmen der allgemeinen Inflationsrate um die zwei Prozent bewegten.
Den unter der Dioxin-Krise leidenden Bauern sagte Aigner Hilfe zu. "Wir werden die betroffenen Landwirte nicht im Regen stehen lassen", versicherte die Ministerin. "Die Landwirtschaftliche Rentenbank wird kurzfristig günstige Kredite zur Überbrückung finanzieller Engpässe zur Verfügung stellen." Unabhängig davon müssten alle diejenigen in Verantwortung genommen werden, die mit Dioxin verseuchte Futtermittel in den Handel gebracht hätten. "Da ist die ganze Kette gefordert", sagte die Ministerin.
Nach Ansicht des Agrarbündnisses kann der Dioxin-Skandal nicht auf einzelne schwarze Schafe in der Futtermittelindustrie abgewälzt werden. Hier liege ein Systemfehler in der Landwirtschaft vor, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von 24 Verbänden aus Landwirtschaft, Tierschutz, Umweltschutz und Entwicklungspolitik, die auf der Grünen Woche vorgestellt wurde. Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND), Hubert Weiger, kritisierte: "Wir laufen intensiver denn je in die Industrialisierung der Landwirtschaft." Es sei dringend eine Kurskorrektur nötig.
Sonnleitner forderte erneut eine Entschädigungsregelung für die betroffenen Landwirte im Dioxin-Skandal. Der Bauernverband werde nicht locker lassen, dass bei den Tierhaltern, die unverschuldet in die Situation geraten seien, der Schaden reguliert werde. Hier seien auch die Versicherer in der Verantwortung. Bisher sei es so, dass ein Bauer leer ausgehe, wenn der Schadensverursacher insolvent sei.
Spekulationen mit Lebensmitteln auf den Weltmärkten dürfen die Preise nach Ansicht von Bundesregierung und Bauernverband nicht künstlich in die Höhe treiben. Aigner sagte: "Nahrungsmittelmärkte dürfen nicht zum Objekt von Zockern werden." Preisschwankungen gehörten zum Markt. "Allerdings besteht auch die große Gefahr, dass durch übermäßige Spekulationen Einfluss auf die Preise genommen wird, dass es zu Exzessen auf den Märkten kommt." Dann würden aus purem Profitstreben beispielsweise die Preise für Weizen in die Höhe getrieben, ohne jede Rücksicht auf die ärmsten Regionen dieser Welt. "Denn für die ist der Preis von Weizen oder Reis die alles entscheidende Überlebensfrage."
Die Grüne Woche ist nach Angaben der Veranstalter die weltgrößte Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernähung und Gartenbau. Nach der Eröffnung durch Bundesagrarministerin Aigner am Donnerstagabend öffnet sie am Freitag ihre Tore für die Besucher.
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