11.02.2012, 15:38 Uhr | dapd
Die Internationale Friedensauszeichnung "Dresden-Preis" ist am Samstag an den New Yorker Kriegsfotografen James Nachtwey verliehen worden. Nachtwey nutze die Macht der Bilder, um die Öffentlichkeit für die Gräueltaten des Krieges zu sensibilisieren, sagte Regisseur und Laudator Wim Wenders in der Dresdner Semperoper. Eigentlich sei Nachtwey ein "Antikriegsfotograf". Seine Fotos zeigten besonderes Einfühlungsvermögen und leidenschaftliche Anteilnahme am Schicksal der Opfer.
Der 1948 geborene Amerikaner reist seit Beginn der 1980er Jahre in Krisenregionen auf der ganzen Welt, um Konflikte fotografisch zu dokumentieren. Sein politisches Bewusstsein sei durch die Vietnamkriege wachgerüttelt worden, sagte der 63-Jährige am Samstag. Nachtwey fotografierte unter anderem in Lateinamerika, Ruanda, Bosnien, Afghanistan und im Irak. Dort wurde er 2003 schwer verwundet.
Der diesjährige "Dresden-Preis" wurde von einem Zeitzeugen der Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945, dem 82-jährigen Hans-Joachim Dietze, überreicht. Dieser hatte als 15-jähriger Junge die Feuernacht in der Dresdner Innenstadt mit einer Kleinbildkamera fotografiert und dadurch einmalige Zeitdokumente dieser Zerstörung geschaffen.
Der Moderator der Preisverleihung, Bundesinnenminister a.D. Gerhart Baum, der als Jugendlicher die Bombardierung der Elbestadt miterlebt hatte, würdigte ebenfalls Nachtweys herausragende Arbeiten in den Konflikten der vergangenen drei Jahrzehnte. Er habe oft sein Leben aufs Spiel gesetzt, um von Gewalt und Elend zu berichten - aber auch um Kräfte für Versöhnung zu mobilisieren, sagte Baum.
Nachtwey ist nach dem russischen Politiker Michail Gorbatschow (2010) und dem Berliner Dirigenten Daniel Barenboim (2011) der dritte Träger des "Dresden-Preises". Er wird vom Förderverein "Friends of Dresden" verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Summe wird von der Klaus-Tschira-Stiftung Heidelberg gespendet.
Am Sonntag soll eine Ausstellung mit den Kriegsfotografien von Nachtwey im Militärhistorischen Museum in Dresden eröffnet werden. Rund 70 Bilder werden bis Ende Mai in der Schau "Krieg - Fotografien von James Nachtwey" gezeigt.
dapd
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