05.09.2011, 15:52 Uhr | dapd
Ein "Wunder" nennen die Organisatoren die neue Sonderausstellung von Renaissance-Madonnenbildern in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister: Ab Dienstag (6. September) ist dort erstmals die weltberühmte Sixtinische Madonna von Raffael zusammen mit einem weiteren Madonnenbildnis des Renaissance-Malers zu sehen.
Die "Madonna di Foligno" hat dafür erstmals die Vatikanischen Museen verlassen, wie die Organisatoren der Ausstellung, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und die Vatikanischen Museen, am Montag erklärten.
Anlass der Ausstellung "Himmlischer Glanz. Raffael, Dürer und Grünewald malen die Madonna" mit rund 20 Werken ist der Deutschland-Besuch von Papst Benedikt XVI. Ende September. Der Papst habe sich persönlich für das Zustandekommen eingesetzt, sagte Arnold Nesselrath, stellvertretender Direktor für den kuratorischen und konservatorischen Bereich der Vatikanischen Museen: "Jedes Museum hat Werke, die es nie ausleiht. Bei uns ist das die 'Madonna di Foligno'." Eine solche Leihgabe ergebe nur Sinn, wenn etwas Einzigartiges geschaffen werden könnte.
Die Dresdner Schau sei die erste "Wiederbegegnung" zweier "Geschwisterbilder", sagte der Kurator für italienische Malerei an der Gemäldegalerie Alte Meister, Andreas Henning. Die "Madonna di Foligno" entstand den Angaben zufolge 1511/1512, die "Sixtina" 1512/1513. "Man darf sich vorstellen, dass sie höchstwahrscheinlich beide zusammen in Raffaels Atelier standen." Die Ausstellung biete dem Publikum nun die Möglichkeit, sich auf eine "Entdeckungsreise" zu begeben und die Gemeinsamkeiten beider Werke zu erkunden.
Abgeschlossen werde der Einblick in das Schaffen Raffaels mit einem "Blick in die Werkstatt", sagte Henning weiter. Die Ausstellung zeigt in einem kleinen Vorraum auch die einzige überlieferte Vorzeichnung zur "Madonna di Foligno" aus dem British Museum in London sowie weitere Zeichnungen.
Im Hauptraum werden den beiden Raffael-Werken weitere Madonnen-Darstellungen aus derselben Epoche aus Mittel- und Südeuropa gegenübergestellt. Man sehe dort, dass am Vorabend der Reformation dasselbe Thema in unterschiedlichen Schattierungen dargestellt worden sei, sagte Kurator Nesselrath.
Nesselrath kündigte an, dass es künftig häufiger Kooperationen zwischen den Vatikanischen Museen und den SKD geben werde. Derzeit würden Gespräche über eine ethnologische Ausstellung mit Indianer-Darstellungen des Dresdner Bildhauers Ferdinand Pettrich aus dem 19. Jahrhundert geführt. Eine weitere Ausstellung zur Sixtinischen Madonna in der Gemäldegalerie Alte Meister soll den SKD zufolge im Sommer 2012 zum 500. Jubiläum ihrer Entstehung folgen. Die "Madonna di Foligno" wird dann wieder im Vatikan sein und soll Nesselrath zufolge nie wieder ausgeliehen werden.
Die Ausstellung "Himmlischer Glanz" ist ab Dienstag bis 8. Januar 2012 zu sehen. Am Montagabend sollte sie mit einem Festakt im Beisein des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tilich (CDU) eröffnet werden.
dapd
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