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Edvard Munch in Frankfurt begeistert auch Norweger

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Munch in Frankfurt begeistert auch Norweger

22.02.2012, 09:52 Uhr | dapd

Der Norweger Edvard Munch hat gemalt, illustriert, fotografiert, gefilmt, Bühnenbilder entworfen und fast 25.000 Werke hinterlassen. In einer Ausstellung der Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main sind seit dem 9. Februar 2012 etwa 130 Werke des 1944 verstorbenen Künstlers zu sehen, der nicht nur mit seinem bekanntesten Gemälde "Der Schrei" Weltruhm erlangte.

"In der Dokumentation der Vielseitigkeit dieses Künstlers ist die Ausstellung in der Frankfurter Schirn substanziell und besonders - jedenfalls außerhalb unseres Landes", lobt der Direktor des Osloer Munch-Museums, Stein Olav Henrichsen, am Mittwoch bei der Vorbesichtigung der Schau. Unter dem Titel "Edvard Munch. Der moderne Blick" gehören dazu auch Fotografien und vier Kurzfilmchen.

"Von meinen Landsleuten wird diese Ausstellung stark beachtet", ergänzt Henrichsen. Munch habe nie etwas wegwerfen können, die Bestände des Osloer Museums seien daher riesig. "Also freut es auch uns, dass diese Ausstellung so facettenreich ist." Die jetzt 200. Kunstschau in der Geschichte der Schirn entstand in Zusammenarbeit mit Oslo und dem Pariser Centre Pompidou. "Dort lief die Ausstellung bis Januar und war eine der erfolgreichsten aller Zeiten", sagt Kuratorin Angela Lampe. In der Schirn endet sie am 13. Mai, danach wandert sie in die Londoner Tate Gallery of Modern Art.

"Munch war auch Cineast", erläutert Lampe. "Er drehte privat und ging laufend ins Kino." Lichtspiele konnten im frühen 20. Jahrhundert auf Zuschauer bedrohlich wirken, wenn Lokomotiven oder Tiere auf das Publikum zurasten. Der Ausstellungskatalog berichtet von Menschen, die aufsprangen und aus dem Kino rannten. Munch reproduzierte diesen Effekt in seinem Gemälde "Galoppierendes Pferd", das Tier rennt scheinbar unkontrolliert dem Betrachter entgegen. Das Ölbild von 1912 war außerhalb Norwegens noch nie zu sehen und hängt jetzt in der Frankfurter Ausstellung.

"Munch war kein Maler der Moderne, aber ein moderner Künstler", bilanziert Lampe. "Diese These verdeutlichen wir in der Ausstellung." Zeitgenössischen Kritikern, die der Fotografie absprachen, die "Geistigkeit eines Menschen mechanisch ausdrücken" zu können, setzte Munch gezeichnete Selbstporträts entgegen, die in ihrer Darstellung von Licht und Schatten die Vorzüge einer Kameraaufnahme widerspiegeln. Die Schirn zeigt Serien solcher Abbilder, auch reine Fotografien aus der Hand des Künstlers. Zur Bekräftigung des Ausstellungsthemas hängen in der Kunsthalle Originalfotos, keine Neuabzüge.

Zeitweilig lebte Munch in Berlin und ließ sich dort vom österreichischen Regisseur Max Reinhardt zu Bildern animieren, die zugleich Bühnenszenen und Gemälde sind. Werke wie "Der Mord" (1906) lassen den Betrachter nicht außen vor, sondern fordern auf, einem Geschehen intim beizuwohnen. "In Norwegen arbeitete Munch auch immer wieder wie ein Lokalreporter", berichtet Kuratorin Lampe. In dem Gemälde "Das Haus brennt" drückt Munch die Reportage über ein Ereignis in seiner Nachbarschaft aus, bei dem er 1927 selbst als Helfer eingriff und zu der er das Foto in einer Zeitung später teilweise als Vorlage nutzte.

Die Schirn zeigt Munch als Künstler, der sich mit der visuellen Kultur seiner Zeit auseinandersetzte. "Von dieser neuen, weiter gefassten Perspektive waren wir begeistert", sagt der Norweger Henrichsen. Ein Ausstellungskonzept, dass den Kuratoren größtmöglichen Zugriff auf den Fundus des Osloer Munch-Museums erlaubte. Noch am Abend vor der Eröffnung hatte sich die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit am Mittwoch in Frankfurt zu einem Rundgang angekündigt.


dapd  

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