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EHEC-Erreger verdirbt Tomatenbauern am Niederrhein das Geschäft

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EHEC-Erreger verdirbt Tomatenbauern am Niederrhein das Geschäft

01.06.2011, 10:08 Uhr | dapd

Geldern (dapd-nrw). Der Lagerraum im Tomatenanbaubetrieb Germes in Geldern (Kreis Kleve) ist voll. Überall stapeln sich beladene Paletten mit Dutzenden Kisten appetitlich aussehender roter Tomaten. Doch das Geschäft ist zum Erliegen gekommen. An eine der Paletten hat jemand einen Zettel mit dem Wort "Storno" geheftet. Aber auch die anderen Kisten werden an diesem Tag wohl keinen Käufer finden. "Hier geht überhaupt nichts mehr raus", sagt Gemüsebauer Theo Germes und zuckt resigniert mit den Schultern.

Seit das Robert-Koch-Institut im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen vor dem Verzehr von Tomaten, Gurken und Salat gewarnt hat, machen die Verbraucher einen riesigen Bogen um das Gemüse. Für Landwirte wie Germes bedeutet dies immense Verluste, die ganze Existenzen vernichten können.

"Jeden Tag entsteht hier ein Schaden von 7.000 bis 10.000 Euro", sagt Germes, der am Dienstag 55 Jahre alt geworden ist. Kein schöner Geburtstag. Solch einen Einbruch bei der Nachfrage, einen faktischen Stillstand im Betrieb, hat er noch nie erlebt. "1986, nach dem Atomunglück von Tschernobyl, ging die Nachfrage auch stark zurück, aber so hart wie jetzt war es noch nie", sagt Germes.

Die gesamte Woche hat der Gemüsebauer bereits abgeschrieben. Erst ab kommendem Montag könnte es seiner Einschätzung nach wieder ein wenig besser werden. "Dann werden in den Geschäften die Lager vielleicht wieder leer sein und sie brauchen Nachschub", hofft der Gelderner. Doch das, was am Dienstag geerntet wird - immerhin rund 7.500 Kilogramm - wird so lange wohl nicht mehr frisch bleiben. Germes wird die Tomaten daher vernichten müssen.

Dabei ist die Ware vom Niederrhein normalerweise stark gefragt. Auch Branchenriesen wie die Metro oder Edeka vertrauen auf die Tomaten aus der Region. In Germes' Betrieb werden nicht nur auf etwa drei Hektar Tomaten angebaut, er verpackt auch die Früchte aus vier benachbarten Betrieben. 25 Leute sind damit normalerweise beschäftigt. Doch an diesem Tag sind die Packplätze mit den Waagen komplett verwaist.

Trotz seiner wirtschaftlichen Verluste kann Germes die Kaufzurückhaltung der Verbraucher nachvollziehen. "Sie sind sehr verunsichert - vor allem durch die Todesfälle", sagt der Tomatengärtner. Dass die Kunden jedoch so drastisch reagieren und praktisch gar keine Tomaten mehr kaufen, ist in den Augen von Theo Pohl, einem Tomatenbauern aus dem nahe gelegenen Weeze, die Schuld von Robert-Koch-Institut und Politik. "Unser Problem ist, dass pauschal vor Gurken, Tomaten und Salat gewarnt wurde", sagt er und schiebt ein wenig frustriert hinterher: "Wir haben sehr viel investiert, um vernünftige Ware liefern zu können. Und wir sind sauber, wir sind getestet."

Wie lang der Betrieb, den er inzwischen an seinen Sohn Michael übergeben hat, die niedrige Nachfrage überleben kann, weiß er nicht. "Ich habe eine solche Situation doch noch nie erlebt", sagt er zur Begründung. Germes geht davon aus, dass ein Betrieb nur kurze Zeit die Verluste verkraften kann. "Das kann man maximal vier Wochen durchhalten", schätzt er. Was danach kommt - daran möchte er gar nicht denken. Eine Versicherung für solche Fälle gibt es jedenfalls nicht.


dapd  

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