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EHEC-Folgen: Sauer über Saure-Gurken-Zeit

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Sauer über Saure-Gurken-Zeit

07.06.2011, 08:14 Uhr | dapd

Frankfurt am Main (dapd-hes). Etliche Kisten mit Papenburger Salatgurken stapeln sich vor dem Stand der Firma Ludwig Reuter im Frankfurter Frischemarkt. Ein wenig weiter harren Salate und Tomaten auf den Verkauf. Doch seit dem Ausbruch des EHEC-Erregers bleibt viel Gemüse in den Kisten, Paletten und Regalen. Besonders im Fokus stehen Gurken, Tomaten und Salat, vor deren Verzehr gewarnt wurde. Doch die Verunsicherung der Verbraucher ist allgemein groß, während Forscher weiter um die Ursache des EHEC-Erregers rätseln.

"Alles, was roh gegessen wird, bleibt liegen", sagt Omar Ezzaouak und deutet auf Kisten mit Karotten. Dickere Mohrrüben, die gekocht würden, habe er verkauft. Das sei bei den dünneren Karotten, die zumeist roh gegessen würden, schwieriger. Genau beziffern kann Ezzaouak den wirtschaftlichen Schaden allerdings nicht.

Von bis zu einem Drittel Umsatzeinbußen und Verlusten im fünfstelligen Bereich spricht hingegen Wolfgang Lindner, Geschäftsführer eines gleichnamigen Obst- und Gemüsegroßhandels. "Vielleicht zahlen wir die Gehälter bald in Gurken aus", scherzt er. Ein bisschen Galgenhumor angesichts deutlicher Rückgänge. "Heute haben wir 30 bis 40 Kisten Gurken verkauft; sonst ist es das Zehnfache."

Die Folgen des EHEC-Erregers auf das Kaufverhalten wirkten sich jedoch auf weit mehr Produkte aus, sagt Lindner inmitten von Kisten mit so exotischen Pflanzen wie Zuckerrohr stehend. Kunden schreckten sogar vor Wassermelonen aus Spanien zurück und hätten Äpfel aus Chile zurückgegeben.

Solche und ähnliche Geschichten haben viele der Anbieter im Frischezentrum auf Lager. Berichte von Kunden etwa, die im Supermarkt andere vehement vom Kauf einer Gurke abgehalten haben sollen oder Fast-Food- Esser, die den Salat vom Burger nehmen.

Für die Verunsicherung der Verbraucher sind nach Einschätzung von Heinz Ruhstorfer auch die Medien verantwortlich. Das Thema werde für eine gute Schlagzeile vermarktet und verallgemeinert, sagt der Anbieter vom Salaten, Kräutern und Gemüsen. Dabei sei auf deutschen Produkten nie etwas gefunden worden.

Auch der hessische Bauernverband betont, dass es bisher im Land keine positive Lebensmittelprobe gegeben habe. Bei Rolf Frankenbach war erst an diesem Morgen ein Prüfer, um Proben zu entnehmen, wie er erzählt. Bescheid bekomme er aber nur, wenn etwas nicht stimme. Damit rechnet Frankenbach allerdings nicht. Er kenne seine Ware. Trotzdem muss er nach eigenen Angaben derzeit Umsatzeinbußen in Höhe von etwa 70 Prozent hinnehmen.

Gerade die kleinen und spezialisierten Erzeuger litten unter der Situation, bestätigt der Sprecher des hessischen Bauernverbandes, Bernd Weber. Seinen Angaben zufolge belaufen sich die Verluste der Betriebe in Hessen je nach Größe und Ausrichtung zwischen 1.500 und 5.000 Euro täglich. Da die Bauern schuldlos daran seien, sei auch die Forderung nach Entschädigungszahlungen angemessen. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hat bereits angekündigt, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen.

Zufrieden sind die Betroffenen im Frankfurter Frischemarkt mit der Ministerin gleichwohl nicht. Bei der Warnung vor bestimmten Lebensmitteln hätten sie sich mehr Zurückhaltung gewünscht. Wenn er zehn Paletten unverkäufliche Gurken zusammen habe, wolle er sie "Frau Aigner vors Ministerium kippen", macht Frankenbach seinem Ärger Luft. Davon sei er aber zum Glück noch weit entfernt.

Vernichten statt verkaufen müssen die Verkäufer und Erzeuger viel Ware gleichwohl. Salate und Gurken, die nicht mehr in den Handel können, werden auf Feldern untergepflügt oder kompostiert. Beim Großmarkt zeugen leere Holzkisten und Steigen auf dem Recyclinghof davon. Erst am Mittwoch seien 20 Tonnen Biomüll abtransportiert worden, sagt ein Mitarbeiter. Besserung ist derzeit für die Anbieter kaum absehbar. "Erst wenn es eine deutliche Entwarnung gibt, kaufen die Leute wieder Gemüse", meint Lindner. Er stelle sich noch eine Weile auf "Saure-Gurken-Zeit" ein.


dapd  

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