10.06.2011, 14:33 Uhr | dapd
Hamburg (dapd-nrd). Passanten nehmen Plastiktüten und füllen sie mit Gurken, Salat und Tomaten. Sie greifen zu, als hätte es nie eine Warnung vor dem Verzehr des Gemüses gegeben. In der Hamburger Innenstadt verschenken norddeutsche Bauern am Freitagvormittag ihre Waren, als sich die Nachricht von der Entwarnung vor dem Verzehr ihrer Produkte verbreitet. "Wir sind natürlich unglaublich froh über diese Botschaft", sagt Gemüsebäuerin Renate Müller.
Mit der Verschenk-Aktion wollen die Landwirte auf ihre anhaltenden Gewinnverluste durch die EHEC-Infektionswelle aufmerksam machen. Dass der Protest nun mit der Nachricht von der Entwarnung zusammenfalle sei toll, sagt Müller.
In den frühen Morgenstunden haben die Bauern ihre Waren von fünf Lkw abgeladen und in Kisten auf die Straße gestellt. "Wir dachten uns, so kann es nicht weitergehen", sagt Müller. Alle Erzeugnisse müssten weggeworfen werden, obwohl alle Proben negativ ausgefallen seien. Das werde sich jetzt hoffentlich ändern.
Die Warnung vor dem Verzehr von Tomaten, Gurken und Salat war am Freitag aufgehoben worden. Dies sei geschehen, weil die Quelle des EHEC-Erregers auf Sprossen aus einem niedersächsischen Betrieb eingegrenzt werden konnte, sagt der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel, in Berlin.
Jürgen Albiez kann seine Freude nicht mehr zurückhalten. "Entwarnung, Mutti Aigner sagt, wir dürfen wieder Tomaten und Gurken essen", ruft der Qualitätsmanager eines Lieferbetriebes des Hamburger Großmarkts den Passanten in der Innenstadt zu. Albiez läuft aufgeregt zwischen den Gurkenkisten umher und verteilt improvisierte Flugblätter. Nun sei es wichtig, die Bedenken gegen die Produkte aus den Köpfen der Verbraucher herauszubekommen, sagt Albiez.
Auch die finanziellen Schäden stellen für die Landwirte ein großes Problem dar. Ob die Bauern in Norddeutschland Unterstützung von der Politik erwarten können, ist noch unklar. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hatte am Mittwoch in der Bürgerschaft angekündigt, die Gemüsebauern aus der Region "nicht im Stich" lassen zu wollen. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft, Dietrich Wersich, forderte den Senat auf, "die Existenzsorgen der Hamburger Landwirte endlich ernst zu nehmen und Klarheit über die dringend notwendige Hilfe zu schaffen".
Auch Gemüsebäuerin Müller macht sich Sorgen um ihren Betrieb: "Wir wissen, dass wir uns das Vertrauen der Verbraucher erst wieder erkämpfen müssen." Die einen seien durch Fleischskandale zum Vegetarier geworden, jetzt hätten sich die Leute auf Tiefkühlgemüse eingestellt. Dagegen müsse nun vorgegangen werden. Dabei sei doch "ein Mittag ohne Salat eine Katastrophe".
dapd
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