08.06.2011, 09:43 Uhr | dapd
Berlin (dapd). Wenn Cemil Inci sich in seinem vegetarischen Restaurant umblickt, sieht er viele leere Tische. Seit sechs Jahren führt er das "Cafe V" in Berlin. "So etwas wie jetzt habe ich noch nie erlebt", sagt er. "Durch die EHEC-Krise ist der Umsatz runtergegangen, die Leute ziehen sich zurück". Es müsse schnell etwas passieren.
Die EHEC-Welle verunsichert die Verbraucher, darunter viele Vegetarier. 21 Menschen sind im Zusammenhang mit EHEC bereits gestorben, über 2000 sind erkrankt.
Gemüse steht unter Verdacht, Überträger des EHEC-Erregers zu sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt deshalb, Tomaten, Salatgurken, Blattsalate und Sprossen nicht roh zu verzehren. Das hat auf viele vegetarische Restaurants negative Auswirkungen.
"Salat läuft gar nicht mehr", sagt Inci. Er passe deshalb seine Speisekarte der jeweils aktuellen Nachrichtenlage an, weiche auf Produkte wie Tofu aus, kaufe nur in Läden ein, denen er vertraue. Trotzdem essen viele Leute derzeit lieber zu Hause.
Der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) kritisiert das Robert-Koch-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung. "Es ärgert uns, dass sich die Behörden offiziell nur auf Gemüse eingeschossen haben", sagt VEBU-Mitarbeiterin Silke Bott auf dapd-Anfrage. "Es ist bislang auf keiner einzigen Sorte ein EHEC-Nachweis gefunden worden. Dabei wurden Hunderte Proben entnommen."
Auch Sicht des VEBU spricht nichts gegen den Verzehr von Tomaten, Salat und Gurken. Wer trotzdem unsicher sei, könne auf bislang unverdächtige Gemüsesorten wie Auberginen ausweichen. Wichtig sei es, auf Hygiene zu achten.
Sebastian Happe und Josita Hartanto führen das vegane Restaurant "Lucky Leek" in Berlin. Auch sie haben zu Beginn der EHEC-Welle zunächst einen Rückgang von Gästen bemerkt. Der Verkauf von Rohkost und Obstsalat sei extrem zurückgegangen. Das vergangenen Wochenende sei "sauschwach" gewesen, sagt Hartanto. Seit einigen Tagen laufe das Geschäft wieder an. Die Inhaber verzichten mittlerweile darauf, Tomaten und Gurke auf den Speiseplan zu setzen.
Privat lassen sie sich nach eigenen Angaben jedoch nicht beirren, essen weiter alle Gemüsesorten, auf die sie Lust haben. "Und wir leben immer noch", sagt sie.
dapd
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