05.06.2011, 10:36 Uhr | dapd
Berlin (dapd-lmv). Bei der Suche nach dem Auslöser der EHEC-Infektionswelle führt eine Spur nach Lübeck. Mehrere Menschen infizierten sich dort nach einem Restaurant-Besuch, darunter Teilnehmerinnen eines Treffens der Deutschen Steuergewerkschaft, wie deren Vorsitzender Dieter Ondracek auf dapd-Anfrage sagte. Die "Lübecker Nachrichten" berichteten über insgesamt 17 Infizierte, die in der Gaststätte gegessen hätten. Ein Sprecher des Kieler Gesundheitsministeriums bestätigte, dass Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen in der Hansestadt gewesen seien.
Ondracek sagte, Mitte Mai habe in Lübeck ein Treffen der Bezirks- und Landesfrauenvertretung stattgefunden. Etwa 30 Frauen hätten daran teilgenommen. Am Freitagabend, dem 13. Mai, hätten sie in dem besagten Restaurant gegessen. Später seien acht Frauen an einer EHEC-Infektion erkrankt. Eine Frau aus Nordrhein-Westfalen sei inzwischen gestorben, sie werde am Montag beigesetzt. Die anderen seien zum Teil schwer erkrankt, befänden sich inzwischen aber alle auf dem Weg der Besserung. Alle Teilnehmerinnen des Treffens hätten beim RKI Proben abgeben müssen und seien befragt worden.
Dänische Besuchergruppe betroffen
Er selbst habe eigentlich an dem Essen teilnehmen sollen, wegen des FDP-Parteitages aber abgesagt, berichtete Ondracek. Das Restaurant sei deshalb ins Visier der Gesundheitsbehörden geraten, weil am 13. Mai dort auch eine dänische Besuchergruppe gegessen habe, von denen sich einige ebenfalls mit EHEC infiziert hätten.
"Das Restaurant trifft keine Schuld, allerdings kann die Lieferantenkette möglicherweise den entscheidenden Hinweis geben, wie der Erreger in Umlauf gekommen ist", wird Werner Solbach, Mikrobiologe am Universitätsklinikum Lübeck, in den "Lübecker Nachrichten" zitiert. Er berichtete von einem weiteren schweren Infektionsfall: Ein erkranktes Kind aus Süddeutschland sei bei einer Familienfeier ebenfalls im betreffenden Zeitraum in dem Restaurant gewesen.
Biowaffen-Experte glaubt nicht an terroristischen Hintergrund
Der Linke-Politiker Jan van Aken, ein Biologe, hält einen terroristischen Hintergrund der EHEC-Epidemie für unwahrscheinlich. Die Entwicklung eines solchen Erregers im Labor übersteige die Möglichkeiten terroristischer Vereinigungen, sagte van Aken, der auch Gründer der Forschungsstelle Biowaffen der Universität Hamburg ist, am Samstag im Deutschlandradio Kultur. "Die sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten schon an den ganz alten, einfachen, klassischen Biowaffen gescheitert."
Die Zahl der beim Robert-Koch-Institut gemeldeten EHEC-Erkrankungen stieg unterdessen weiter: Bis Freitagnachmittag registrierte das RKI 1.213 Fälle, 520 Patienten litten am Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS). Bundesweit werden mittlerweile mindestens 19 Todesfälle mit EHEC in Verbindung gebracht.
dapd
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