02.06.2011, 07:40 Uhr | dapd
Weingarten (dapd-rps). Erst blieb der Regen aus, und jetzt sorgt auch noch die Darmkrankheit EHEC für einen enormen Absatzeinbruch in der Landwirtschaft. Für die Bauern in Rheinland-Pfalz könnte das Jahr 2011 zu einem Desaster werden. "Momentan verkaufen wir gerade mal zehn Prozent dessen, was wir normalerweise zu dieser Jahreszeit absetzen", sagt Landwirtin Lore Krebs, die gemeinsam mit ihrem Mann Günter und ihrem Sohn Marco im pfälzischen Weingarten auf 90 Hektar Gemüse anbaut. Von der Politik fühlen sie sich im Stich gelassen, von den Verbrauchern misstrauisch beäugt.
"Das Ganze ist wie ein Alptraum, und das Ende ist noch nicht in Sicht", sagt die 53 Jahre alte Landwirtin, die momentan noch nicht einmal genau weiß, was der Betrieb in den kommenden Tagen anpflanzen soll, um dann im August die neue Ernte einzufahren. Schließlich sei momentan noch gar nicht absehbar, wie die Verbraucher in den kommenden Wochen auf EHEC reagieren. Zumal die Ursachen immer noch unklar sind.
In diesen Tagen herrscht vor allem Misstrauen gegenüber Gemüse auch aus Deutschland. Gemüsebauer Peter Steegmüller berichtet von Problemen mit Händlern aus Frankreich. "Kurz bevor eine Ladung Salat nach Frankreich transportiert werden sollte, gab es eine Absage von unserem Kunden dort", berichtet der 38 Jahre alte Landwirt aus Weingarten.
Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd spricht gar von Einbußen in Millionenhöhe durch die EHEC-Krise. Unterdessen müssen die Landwirte Teile ihrer Ernte vernichten, da die Nachfrage stark gesunken sei, wie die Erzeugergemeinschaft Pfalzmarkt in Mutterstadt mitteilte.
Vor allem, nachdem Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) Gurken, Tomaten und Blattsalat als mögliche Gefahrenquellen für den EHEC-Erreger nannte, sei der Absatz eingebrochen, berichtet Günter Krebs. Die Angst der Verbraucher trifft die Gemüsebauern mit Wucht. Und das mitten in der Haupterntezeit. Weil die Verbraucher Salate und Rohkost meiden, mussten auch die Landwirte in Weingarten schon 200.000 Salate während der vergangenen sieben Tage umpflügen, also vernichten.
"Die Kunden sind einfach verunsichert und kaufen unsere Produkte nicht mehr", klagt Günter Krebs. Für den Landwirt und seine Familie ist das eine Belastungsprobe. Dabei erfüllen die Landwirte auf dem Draishof sämtliche Auflagen, die der Qualitätssicherung dienen. Nicht umsonst lassen Günter und Lore Krebs den Betrieb ständig zertifizieren.
So werde beispielsweise das Beregnungswasser analysiert, Hygienestandards seien hoch, und organischer Dünger werde ohnehin nicht verwendet. "Wir wollen Qualität bieten und wir wollen auch, dass sich die Kunden sicher fühlen mit unseren Produkten", sagt Lore Krebs.
Auf Landwirtschaftsministerin Aigner ist man auf dem Draishof nicht gut zu sprechen. Sie setze sich zu wenig ein für die deutschen Landwirte. "Wir hätten uns gewünscht, dass die Ministerin uns den Rücken in einer solchen Krise stärkt", kritisiert Günter Krebs. Schließlich sei es auch ihre Aufgabe, Schaden von den Landwirten zu nehmen.
dapd
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