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Eichborn-Verlag stellt Insolvenzantrag

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Eichborn-Verlag stellt Insolvenzantrag

16.06.2011, 21:56 Uhr | dapd

Frankfurt/Main (dapd). Der Eichborn-Verlag in Frankfurt am Main hat Insolvenz angemeldet. "Wir wollen den Geschäftsbetrieb auf jeden Fall aufrechterhalten", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter des börsennotierten Unternehmens, Holger Lessing, am Donnerstag in Frankfurt auf dapd-Anfrage. Deshalb ändere sich für die Mitarbeiter erst einmal nichts. Die Aussichten für Eichborn sähen gar nicht schlecht aus. Er wisse von namhaften Interessenten. Die Kooperation mit dem Berliner Aufbau Verlag soll trotz der Insolvenz fortgeführt werden.

Der Eichborn-Verlag begründete den Insolvenzantrag mit drohender Zahlungsunfähigkeit. Dieser Schritt sei notwendig geworden, da der Verlag die erforderliche Sanierung nicht aus eigener Kraft finanzieren könne, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Versuche, eine Finanzierung von außen zu erlangen, seien nicht erfolgreich gewesen. Vorstand, Betriebsrat und Mitarbeiter hätten dem Insolvenzverwalter ihre Unterstützung zugesichert. Sie seien nach wie vor davon überzeugt, dass der Verlag nach erfolgter Sanierung gute Chancen auf dem Markt habe.

Kooperation mit Aufbau Verlag bleibt bestehen

Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass der zum 1. Juli geplante Umzug des Verlags von Frankfurt nach Berlin auf Eis gelegt wurde. Der Eichborn-Verlag sollte nach Vorstellungen des Mehrheitsgesellschafters Matthias Koch künftig mit dem Aufbau Verlag kooperieren und in die Hauptstadt umziehen. Der Umzug habe sich damit erledigt, sagte Verlagssprecher Dieter Muscholl. Die seit dem 1. Juni geltende Vertriebskooperation mit dem Aufbau Verlag sei jedoch von der Insolvenz nicht berührt.

Der Geschäftsführer des Aufbau Verlags, Tom Erben, kündigte umgehend an, als vertraglicher Vertriebspartner "das starke Herbst-Programm von Eichborn" weiter zu verkaufen. "Wir gehen davon aus, dass der Insolvenzverwalter eine Chance auf Fortsetzung des Betriebs sieht, und werden ihm unverzüglich die Fortsetzung des Kooperationsvertrags anbieten", sagte Erben. "Ich denke, dass ein Verlag wie Eichborn weiter auf diesem Markt bestehen kann und sollte", fügte sein Mitgeschäftsführer René Strien hinzu.

Kleiner Lichtblick für Mitarbeiter

Der Insolvenzverwalter erwiderte, dass so eine Kooperation Sinn mache. Das wichtigste sei, dass Eichborn am Markt bleibe, alles andere wäre schlecht für die weiteren Verhandlungen. Er bewertet es als positiv, dass Eichborn eine Marke sei, die jeder kenne. "Ich weiß, dass es namhafte Interessenten gibt", sagte Lessing. Direkt nach der Veröffentlichung des Insolvenzantrags habe er die ersten Anrufe bekommen, "ich war selbst erstaunt", fügte er hinzu.

Als Folge des geplanten Umzugs war 35 der 48 Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt worden. Da der Grund nun wegfalle, seien die Kündigungen hinfällig, sagte der Verlagssprecher. Acht Mitarbeiter hätten sich bereits neue Jobs gesucht, doch die verbleibenden 40 würden erstmal weiter beschäftigt. Der Sprecher sprach von einem kleinen Lichtblick. "Das gibt uns Mitarbeitern eine gewisse Sicherheit, wenn auch für eine begrenzte Zeit", sagte er.

Der Insolvenzverwalter kündigte an, sich erst einmal einen Überblick über die Zahlen verschaffen zu wollen. Im ersten Halbjahr 2010 hatte der Verlag bei einem Umsatz von rund fünf Millionen Euro einen Bilanzverlust von 2,5 Millionen Euro ausgewiesen.

Vito von Eichborn und Matthias Kierzek hatten den "Verlag mit der Fliege" 1980 gegründet. Die Eichborn AG verlegt Bücher aus den Bereichen Literatur, Sachbuch, Humor und Geschenkbücher, zu den bekanntesten Titeln zählt die Cartoonreihe "Das Kleine Arschloch".


dapd  

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