18.04.2011, 14:49 Uhr | dapd
Rüsselsheim (dapd-hes). Die Eichenprozessionsspinner galten in Hessen bislang nur als hygienisches Problem für den Menschen. Die giftigen Härchen der Raupen können auf der Haut heftige Allergien und wochenlangen Juckreiz auslösen. Doch da sich der Forstschädling in den vergangenen Jahren stark vermehrt hat, drohen viele Eichen abzusterben. "Vor allem Südhessen droht ein Waldschutzproblem", warnt Frank Krüger von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.
Die Eichenprozessionsspinner fühlen sich bei Hitze wohl. Die Klimaerwärmung trägt daher massiv zur Ausbreitung der Larven bei. Ihre Nester bauen die Larven in den Stämmen der Eichen. "Früher waren die Nester faustgroß, heute sind sie teilweise einen Meter lang und bis zu 30 Zentimeter breit", verdeutlicht Waldschutz-Experte Krüger die "gewaltige Ausbreitung" des Schädlings.
In den Abendstunden beginnen die Raupen mit ihrer "Prozession". In Kolonnen von bis zu zehn Metern Länge rücken die vier bis fünf Zentimeter langen Insekten aus, um die Eichenkronen kahl zu fressen. Erst im dritten Larvenstadium ab Anfang Mai entwickelt der Eichenprozessionsspinner dann die giftigen Härchen, die vor allem Asthmatikern schwer zu schaffen machen können.
Darmstadt und Rüsselsheim besprühen ihren Eichen im Stadtgebiet daher in diesem Jahr mit Schädlingsbekämpfungsmitteln. In Darmstadt werden seit Mitte April rund 3.000 Eichen gezielt gegen den Eichenprozessionsspinner behandelt. Auch in Rüsselsheim werden die Eichen in Grünanlagen und auf dem Friedhof mit dem biologischen Mittel "Dipel ES" besprüht. Wo immer das Mittel zum Einsatz kam, hat es Erfolge gezeigt, wie etwa im vergangenen Jahr im Frankfurter Stadtwald oder im Wildpark Hanau, wo das Mittel mit Hubschraubern versprüht wurde.
Im Rüsselsheimer Stadtwald müssen die Eichen allerdings ohne das Schädlingsbekämpfungsmittel auskommen. Denn dort ist das Forstamt Groß-Gerau zuständig und will auf das Sprühen vorerst verzichten. "Die Eichenprozessionsspinner haben sich zwar massiv ausgebreitet, aber einen einmaligen Kahlfraß überstehen die Eichen", glaubt Klaus Velbecker vom Forstamt Groß-Gerau. Zumal die Eichen nach dem Kahlfraß noch einmal den Johannestrieb austreiben.
"Der Johannestrieb kommt im Juni, wenn die Raupen dick und fett sind", warnt hingegen Experte Krüger. Einen Großteil der neuerlichen Triebe würden die Larven daher gleich noch mit wegfressen. In Sachsen-Anhalt seien schon ganze Eichenwälder abgestorben, weil mit dem Sprühen zu lange gewartet wurde. "Dort haben dann Sekundärschädlinge den Eichen endgültig den Garaus gemacht", sagt Krüger.
Im Gebiet des Forstamts Groß-Gerau sind nach Angaben von Förster Velbecker "zwischen 100 und 500 Hektar" vom Eichenprozessionsspinner befallen. Der Verzicht auf das Besprühen sei mit den jeweiligen Waldeigentürmern abgesprochen. Pro Hektar koste der Einsatz des Bekämpfungsmittels mit dem Hubschrauber etwa 200 bis 300 Euro. Ende Juni soll es exakte Ergebnisse über das Ausmaß des Schadens geben. "Dann machen wir eine Bestandsaufnahme und beraten, ob wir im kommenden Jahr sprühen", kündigt Velbecker an.
dapd
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