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Ein fast vergessenes Zimmer aus Damaskus

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Ein fast vergessenes Zimmer aus Damaskus

09.09.2010, 13:52 Uhr | DDP

Dresden (dapd). Die Restauratorin Anke Scharrahs lässt sich so leicht nicht aus der Ruhe bringen. Seit 13 Jahren baut sie ein kunsthistorisch wertvolles Zimmer zusammen, das in Päckchen zerlegt vor 110 Jahren aus der syrischen Hauptstadt Damaskus nach Deutschland kam. Durch Zufall sind die Paneele mit aufwendigen Verzierungen in Dresden gelandet und zufällig sind sie wieder entdeckt worden. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag (12. September) kann das Damaskus-Zimmer, das inzwischen Gestalt angenommen hat, im Museum für Völkerkunde in Dresden zum ersten Mal in dieser Form bestaunt werden. Teile des Zimmers waren zum ersten Mal im Jahr 2005 öffentlich zu sehen.

Anke Scharrahs hält den in Lösungsmittel getränkten Wattetupfer mit ruhiger Hand. Unter Staub und Dreck verborgene Farben kommen zum Vorschein. In den Verzierungen verstecken sich kleine Bildchen: Häuser, Vögel und Vasen mit prachtvollen Blumen. "Jedes Bild sieht anders aus", sagt die Restauratorin. Sichtbar werden sie erst bei genauerem Hinsehen. "Ich entdecke immer wieder neue Dinge", sagt die Restauratorin.

Ein Teil des Damaskus-Zimmers hängt bereits an der Wand eines großen weißen Zimmers im Völkerkundemuseum, das einst als Lagerraum genutzt wurde. Von Weitem erinnern die Holzpaneele in ihrer Form an einen Schrank aus Großmutters Schlafzimmer - hergestellt aber im Stil des sogenannten türkischen Rokoko.

Zwtl: Damaskus-Zimmer ist eine Rarität

Die Paneele deuten Wandschränke, Fenster und eine große Nische an. "So oder ähnlich sieht es noch heute in einigen privaten Häusern in Damaskus aus", sagt Scharrahs und holt Fotos aus einem Schrank. Das Damaskus-Zimmer ist nach Einschätzung der Expertin mittlerweile eine Rarität. In rund 100 Gebäuden der syrischen Hauptstadt sind diese Kulturgüter arabisch-osmanischer Kunst nach ihrer Kenntnis noch zu finden. Vor rund 100 Jahren waren es noch zwischen 3.000 und 4.000 Haushalte.

Der Fund des Zimmers in Dresden war deshalb als Sensation gefeiert worden. "Es ist fast vollständig erhalten und nicht aus mehreren Teilen zusammengekauft", sagt Scharrahs und streicht sanft mit den Fingern über das Pappelholz. Lediglich zwei Gesimsteile und eine schmale Deckenfüllung fehlen. Weitere solcher Zimmer gibt es laut Scharrahs lediglich im Museum für Islamische Kunst in Berlin und im New Yorker Metropolitan of Art. Vollständig aufgebaut ist das in Dresden entdeckte noch längst nicht: Das scheiterte bislang an der Finanzierung. Deshalb hofft die Restauratorin auf Spenden. Fast 270.000 Euro seien für weitere Arbeiten notwendig, sagt sie.

Die Geschichte des 200 Jahre alten Damaskus-Zimmers in Dresden ist für die Kunstexpertin einzigartig. Der 22 Quadratmeter große Empfangsraum eines wohlhabenden Arabers aus der Altstadt von Damaskus war vor etwa 110 Jahren ausgebaut worden, berichtet Anke Scharrahs. Von dort ging es zunächst auf dem Schiff nach Deutschland, zu einem Kunstsammler nach Hagen. Der verlor allerdings schnell das Interesse daran. Die Pakete mit den Holztafeln landeten auf einem Dachboden. Nach dem Tod des Sammlers gingen sie in das Eigentum eines Kunsthistorikers aus Dresden über. Er war Miterbe und überzeugte die Erbengemeinschaft davon, das Kleinod dem Völkerkundemuseum zu schenken.

Zwtl: Pakete 1997 ausgepackt

"Erst 1997 sind die Holzpakete und Deckenteile ausgepackt worden", sagt die Expertin. Sie waren in Zeitungen aus dem Jahr 1941 eingewickelt. Als studierte Holzrestauratorin sei die Dresdnerin zunächst um Rat gefragt worden. Seither hat sie mehr als 5.500 Arbeitsstunden mit Unterstützung vieler Restaurierungsstudenten und anderer Experten investiert, sagt die Expertin und schaut sich zufrieden um.

Es wartet aber noch reichlich Arbeit. Hinter den Holzpaneelen lagern in Regalen weitere Bretter mit matten Farben. Behutsam holt Scharrahs eines hervor. "Wir müssen zunächst die Farbschichten auf dem Holzuntergrund festkleben, auch die Staubschicht." Sonst könnten gelockerte Farbschollen verloren gehen. Seit fast zehn Jahre forscht die Restauratorin in Archiven und in Damaskus über Herkunft des Zimmers. Mit Hilfe naturwissenschaftlicher und kunsttechnologischer Studien weiß sie nun, welche Farben die alten Kunsthandwerker angerührt haben - zum Beispiel blaue Töne aus gemahlenem blauen Glas, silberner Zinnfolie mit transparenten grünem Lack.

Hinter einer Glaswand können Besucher den Aufbau verfolgen. An der Wand sind Informationen über den "Kunstschatz" nachzulesen. Zum Tag des offenen Denkmals will Anke Scharrahs Sonderführungen durch das Zimmer anbieten und Fragen beantworten. Auf eine Frage weiß sie allerdings keine Antwort: Wann das Damaskuszimmer endlich fertig aufgebaut sein wird. Sie hoffe bald.

Bildhinweis: 080910DRE206, 080910DRE207

dapd/cth/han

dapd


DDP  

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