22.09.2010, 08:46 Uhr | DDP
Lautzenhausen (dapd-rps). Die Auswirkungen ähneln denen während der Aschewolke eines isländischen Vulkans im Frühjahr. Doch diesmal befinden sich keine Rußpartikel in der Luft über dem Flughafen Hahn im Hunsrück. Trotzdem herrscht seit Montagmorgen über den Hügeln zwischen Lautzenhausen und Büchenbeuren ungewohnte Stille. Kein Ryanair-Flieger und keine Frachtmaschine sind seitdem vom Hahn abgehoben oder dort gelandet. Der Flughafen macht Pause - und diesmal planmäßig im Gegensatz zu April.
Doch auch wenn das Terminal wie leer gefegt ist, herrscht auf dem Rollfeld reger Betrieb. Die dringend notwendige Generalüberholung der einzigen Start- und Landebahn des Flughafens soll in 67 Stunden am Stück ausgeführt werden. "Zuerst hatten wir geplant, das Ganze nach und nach in Nachtschichten auszuführen", sagt Projektleiter Hermann Anton, Ingenieur am Flughafen Hahn. "Doch das hätte an die 100 Nächte gedauert und wäre deshalb viel teurer gewesen, als den Betrieb für drei Tage zu stoppen."
Am Montag wurde die Landebahn zunächst 14 Zentimeter tief abgefräst. Seit Montagabend rollen im Minutentakt Lastwagen beladen mit Asphalt-Bitumen auf den Flughafen. "An die 90 Lkw von fünf Straßenbaufirmen aus dem Hunsrück sind rund um die Uhr im Einsatz", sagt Anton.
Seit März wird an der Baustelle geplant, seit Mitte Juli konnte man für die drei Tage keine Flugtickets mehr kaufen - wer schon welche hatte, musste umbuchen. Schon während der Zwangspause nach dem Vulkanausbruch in Island hatte der Flughafenbetreiber spontan die Zeit genutzt, um besonders sanierungsbedürftige Stellen der Landebahn auszubessern. Jetzt, nach dem Ende der Ferienzeit, haben die Hauptarbeiten begonnen.
"Die technische Planung war eigentlich nicht das Problem: alter Asphalt runter, neuer drauf, Farbe drüber, fertig", erläutert Projektleiter Anton. Schwierig sei bei einem so großen Projekt die Koordination. Rund 300 externe Mitarbeiter liefern den Belag an, verteilen ihn auf der Bahn, walzen ihn platt, passen ihn an und transportieren den abgefrästen Schotter wieder ab. Dazu kommen weitere 50 Flughafen-Mitarbeiter, die die Zeit nutzen, um die Landebahnbeleuchtung auszutauschen, Kanalarbeiten durchzuführen und den Rand der Landebahn auszubessern.
Und auch Ryanair nutzt die Flugpause: Die elf Maschinen, die die Fluglinie gerade auf dem Hunsrück-Flughafen stehen hat, werden seit Montag in der flughafeneigenen Werft einer Generalinspektion, dem sogenannten A-Check, unterzogen. "Das ist hier stellenweise wie in einem Ameisenhaufen", sagt Anton.
Dem kann der stellvertretende Verkehrsleiter am Hahn, Michael Rössel, nur zustimmen. Gerade hat er einige wartende Ryanair-Maschinen umparken lassen, weil diese mitten in einem Wasserstrahl von den Kanalarbeiten standen. "Die Bauleiter müssen hier 1000 Augen haben", sagt er.
Natürlich musste vor Beginn der Arbeiten auch einiges umdisponiert werden. Die Frachtflüge werden bis Donnerstag über andere Flughäfen umgeleitet. "Über Frankfurt, Köln, Leipzig und Lüttich", zählt Rössel auf. Und auch die meisten Menschen, die am Flughafen arbeiten, mussten Urlaub nehmen oder bauen Überstunden ab. "Die meisten Mitarbeiter von der Flughafenverwaltung und von der Verkehrsplanung sind aber auch an diesen Tagen im Einsatz", sagt Flughafensprecherin Katarina Woytassek.
Alle Beteiligten hoffen, dass bei den Arbeiten in dem klar begrenzten Zeitfenster nichts schiefgeht. Bisher sieht es auch nicht danach aus. "Derzeit sind wir voll im Zeitplan", sagt Projektleiter Anton. Er ist guter Dinge, dass am Donnerstag wie geplant die erste Maschine um 12.35 Uhr von der erneuerten Startbahn in Richtung Santiago de Compostela abheben kann.
dapd
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