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Ein Leguan unterm Weihnachtsbaum

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Ein Leguan unterm Weihnachtsbaum

15.12.2010, 14:28 Uhr | DAPD

München (dapd-bay). Eine im Park ausgesetzte Würgeschlange oder per Post zugeschickte Exoten: Die Auffangstation für Reptilien in München muss alljährlich nach Weihnachten verschenkte Tiere aufnehmen, wenn die Halter ihre neuen Haustiere nicht behalten wollen. Dabei ist die Station auch in diesem Jahr schon vor dem Fest bis auf den letzten Platz belegt. Eng stehen die Terrarien und Aquarien nebeneinander, selbst in den Büros sind die Glasbehälter mit den Tieren zwischen Fachliteratur und Arbeitsmaterial in jeder freien Ecke untergebracht. Rund 700 Tiere haben derzeit in der Station ein Obdach - von der Wasserschildkröte über Leguane und Kaimane bis hin zur hochgiftigen Klapperschlange.

Nach Weihnachten kämen bis zu zehn neue Reptilien hinzu, sagt Stationsleiter Markus Baur. Wie viele Menschen ihre exotischen Weihnachtsgeschenke nicht haben wollen, kann der Tierarzt nur schwer beurteilen. Denn häufig versuchten die Halter noch mehrere Wochen oder sogar Monate lang, mit den Tieren zurechtzukommen. Viele Reptilien landeten dann ohne Angabe von Gründen aber doch in der Auffangstation.

So zum Beispiel vor einigen Jahren an Neujahr, als die Mitarbeiter der Station zu einer ausgesetzten Boa Constrictor gerufen wurden. Ein Unbekannter hatte die rund einen Meter lange ungiftige Würgeschlange bei Minusgraden in einem Pappkarton in einem Münchner Park abgestellt. Die Tierretter vermuten, dass es sich bei der Schlange um ein Weihnachtsgeschenk handelte.

Schlangen wie zum Beispiel Kornnattern, Geckos, europäische Land- und Wasserschildkröten, Leguane oder auch Bartagame würden gerne zu Weihnachten verschenkt. Am Anfang seien die Tiere "süß und klein", sagt Baur. "Nach fünf Jahren hat man aber ein Zwei-Meter-Tier, das die Couch verteidigt." Denn ein Grüner Leguan beispielsweise kann bis zu zwei Meter lang werden und braucht viel Platz. Jedes Jahr gebe es deshalb Halter, die mit ihrem "aggressiven Leguan" nicht mehr zurechtkämen.

Zudem stellten die Beschenkten nach der anfänglichen Freude häufig fest, dass die Haltung der pflegeintensiven Tiere viel Geld und Zeit koste. Für eine artgerechte Haltung der Reptilien sei darüber hinaus "ein hohes Maß an Sachkunde" nötig. "Wer die nicht hat, kann Fehler machen", betont Baur. Im schlimmsten Fall sterbe das Tier. Vor allem über Ernährung, benötigte Wärme und Luftfeuchtigkeit oder die Stärke des UV-Lichts müssten die Halter Bescheid wissen.

Wegen der hohen Kosten und des großen Zeitaufwands würden viele Reptilien dann einfach ausgesetzt, per Post in die Station geschickt, in einer Einkaufstüte an die Türklinke gehängt oder auch mal persönlich vorbei gebracht. Vor einigen Jahren hat eine Frau laut Baur Landschildkröten in der Station abgegeben. Ihr Ehemann habe sie den gemeinsamen Kindern zu Weihnachten geschenkt. Doch die hätten die Panzertiere nicht haben wollen, erzählt der Tierarzt.

Der Stationsleiter betont deshalb, dass Reptilien "nicht unüberlegt" verschenkt werden sollten. Bei der Entscheidung müsse "der Rückhalt der ganzen Familie da sein". Reptilien an Weihnachten zu verschenken, lehnt Markus Baur nicht grundsätzlich ab. Doch zuerst müsse die Fachliteratur gelesen werden. Erst danach dürfe nach gründlicher Überlegung ein Reptil gekauft werden.

Auch der bayerische Landesverband des Deutschen Tierschutzbundes rät dazu, sich gut zu informieren, bevor ein Reptil verschenkt wird. Denn "Tiere sind keine Umtauschartikel, es sind Lebewesen", betont Präsidentin Nicole Brühl. Es dürfe "keine kurzfristige Geschenküberlegung" sein, denn jeder müsse sich überlegen, ob er sich die Kosten für Futter, Ausstattung der Terrarien und Besuche beim Tierarzt leisten könne.


DAPD  

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