22.02.2012, 16:07 Uhr | dapd
Es gibt keinen Defiliermarsch. Keinen umjubelten Einzug der Politiker. Keine grölenden Massen. Dafür Twitter, Facebook und veganes Essen. Bei der zentralen Aschermittwochsveranstaltung der Piratenpartei ist alles ein wenig anders. Und ohne Google läuft im Saal des Ingolstädter Stadttheaters nichts.
"Ich musste erst googlen, wer die Eröffnungsrede eigentlich hält ", sagt die Moderatorin, die in einem pechschwarzen Piraten-Dirndl das Rednerpult erklommen hat. Dank Internet-Suchmaschine weiß sie jetzt mehr: Es ist "Boomel". Der heißt eigentlich Benedikt Schmidt und ist Kreisvorsitzender der Ingolstädter Piraten.
Aber das wäre schon wieder zu viel echtes Leben. Daher sind die 13 Redner des Spektakels allesamt auch mit ihren Internet-Pseudonymen im Programm aufgelistet. So entern nach "Boomel" auch "Enigma", "Sekor", "TurBor", "Mueslikind" und "ZombBi" das Rednerpult mit einem "Servus und Ahoi". Sie kritisieren "Internetsperren auf Kosten missbrauchter Kinder" und bezeichnen Politiker wahlweise als Pseudo-Volksvertreter oder "LOL" - für "Luschen oder Lobbyisten".
Wer in Ingolstadt den Politikern der anderen Parteien die Leviten lesen wollte, musste sich via Internet bewerben. Die 13 besten Beiträge wurden schließlich ausgewählt. Redner aus Berlin wie aus der Oberpfalz sind dabei, von der Deutschen Bahn über das umstrittene Urheberrechts-Abkommen ACTA bis hin zur Wahl des Bundespräsidenten reichen ihre Themen. Sechs Stunden dauert das Mammut-Programm - "ein echter Mega-Upload", meint einer der Piraten.
Durch den Saal laufen Männer, die mit Augenklappe und Piratenhut ihre Parteizugehörigkeit besonders zur Schau stellen. Ein paar Burschen haben Lederhosen an, die mit einem Totenkopf verziert sind. Es werden Schnappschüsse auf Facebook hochgeladen, an vielen Tischen stehen Laptops. Natürlich lässt sich das Essen über das Internet vorbestellen.
Einer, der sich nicht als Redner bewerben musste, ist der bayerische Landesvorsitzende Stefan Körner. "Ministerpräsident Horst Seehofer hat nur rund 4.000 Fans bei Facebook, Hubert Aiwanger twittert lediglich Blondinenwitze und Christian Ude schreibt im Internet, wie er im echten Leben ist - langsam, bedächtig und ohne Inhalt", poltert er. Sein Ratschlag: "Wer Twitter für Mist hält, soll doch wieder Faxe verschicken."
dapd
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